Googles kostenlose Navi-Software

Geschrieben am 29 Oktober 2009  von Gerhard Bauer

Kommentar vom Chefredakteur Gerhard Bauer

Google hat eine kostenlose Navigationssoftware für Handys mit dem Betriebssystem Android vorgestellt. Google Maps Navigation soll unter anderem dreidimensionale Kartenansichten, echte 3D-Ansichten von Satellitenbildern sowie Spracherkennung und -ausgabe beinhalten. Die Google-Software wird allerdings nur auf Telefonen funktionieren, die mit dem Google-Betriebssystem Android ausgerüstet sind.

So weit die bisher bekannten Fakten.

Die Aktienkurse von TomTom sind nach dieser Ankündigung und den zugegeben überraschend schlechten Marktzahlen am Mittwoch um 21 und am Donnerstag um weitere 9 % (Stand nach einer kurzen Beruhigungsphase 9.30 Uhr) gefallen. Die Aktien von Garmin sind am Mittwoch um 16,4 Prozent gefallen.

Garmin bietet in seinem Kernbusiness eine fast identische Produktpalette wie TomTom, so dass sich jede schlechte Aussicht auf die nächsten Monate von seiten TomTom natürlich auch auf Garmin auswirkt. TomTom geht runter, Garmin geht runter. Und umgekehrt.

Was ist aber eigentlich passiert? Google bietet jetzt noch eine Offboard-Navigation an. Offboard-Navi-Programme konnten noch nie überzeugen, weil die Routenberechnung abhängig ist von der Netzversorgung am aktuellen Standort und von der Auslastung der Server (wobei wir bei Google weniger Angst haben vor einem Serverstillstand), außerdem verursacht jede Routenberechnung zusätzliche Kosten durch die Datenübertragung. Natürlich kostet die Übertragung der relativ hochauflösenden Satellitenbilder richtig viel Bandbreite und deswegen auch mehr Geld als bei vergleichbaren Produkten. Die Netzanbieter sind durch Apples iPhone kuriert von Flatrate-Angeboten, weil die Kalkulationen fast nie aufgehen. Für ein Android-Handy mit Navi-Software braucht man also gar nicht nach einer Flatrate fragen.

Außerdem haben Android-Handys immer noch ernste Akzeptanzprobleme. De facto eher unbedeutende Marken wie Motorola und HTC bieten zwar einige Android-Handys an, aber Innovations- und Marktführer wie Nokia bieten gar keine an oder haben erst welche angekündigt wie beispielsweise Samsung.

Bedenken Sie, dass es die Handy-Navigation von Google nicht geschenkt gibt. Navigation erfordert einen brauchbaren GPS-Chipsatz und das Android-Betriebssystem benötigt eine relativ gute Hardwareausstattung des Smartphones in Bezug auf Prozessor, Speicher etc. Das heisst, diese Smartphones werden deutlich teurer als heutige Durchschnittsgeräte. Damit spielen sie aber in einer Liga mit Apples iPhone, und das ist ein hartknäckiger Konkurrent. Für das iPhone gibt’s bereits sehr günstige Offboard-Navigationsprogramme, beispielsweise von Skobbler, einem Navigon-Ableger, aber auch die können langfristig nicht überzeugen.

Leider werden die Aktienmärkte schon so kurz nach dem Crash oder der Krise wieder dominiert vom quartalsweisen Shareholder-Denken. Als ich mich vor etwa 25 Jahren im Rahmen meiner Ausbildung mit Aktien beschäftigte, gab es noch Thesen wie „Kaufe dir ein paar gute Aktien, die sich über die Dividende nach 10 oder 20 Jahren abbezahlt haben. Die Wertsteigerung beim Verkauf oder auch nur die Dividende sind eine nette Altersversorgung.“ Leider ist davon heute nichts mehr übrig. Private Aktionäre und kleinere Unternehmen wie Garmin und TomTom sind nach wie vor die Spielbälle von Unternehmen, die mit geliehenem Kapital die Kurse frei manipulieren können, und von Analysten, die so qualifiziert sind für ihren Job, dass sie uns die letzte Finanzkrise beschert haben.

Viele Grüße,
Ihr Gerhard Bauer