Flugzeug-Navigation in 8 Jahren per GPS

Geschrieben am 8 Dezember 2009  von Gerhard Bauer

Der Himmel wird zu klein. Immer mehr Flugzeuge sollen immer mehr Passagiere von A nach B bringen, und deswegen müssen die Flugzeuge immer enger zusammenrücken. Aus Sicherheitsgründen geht das mit heutigen Planungs- und Überwachungsmitteln aber nicht mehr, denn die heute gebräuchliche Radarüberwachung für Verkehrsflugzeuge bringt nur eine Reichweite von 200 bis 300 Kilometern und ist für zukünftige Anforderungen zu ungenau.

NextGen und Sesar heissen die neuen Flugzeug-Überwachungssysteme, die die USA und die EU langfristig einführen wollen. Im Gegengesatz zum heute gebräuchlichen System auf der Basis von Radar und UKW-Flugfunk (108 bis 137 MHz) sollen beide Systeme auf GPS-Basis arbeiten. Flugzeuge sollen dann ihre Position per GPS selbst bestimmen und diese Information an das Air Traffic Management (ATM), die Flugverkehrskontrolle, senden. Weil die so ermittelten Positionsdaten wesentlich genauer sind, kann man die Flugzeuge am Himmel enger zusammenrücken lassen.

Das funktioniert aber nicht ohne ein SBAS-System, das die Richtigkeit der GPS-Koordinaten garantiert. Prinzipbedingt kann ein einziger GPS-Satellit mit falschem Nutzsignal alle Fahr- und Flugzeuge der unter ihm befindlichen Erdhalbkugel völlig durcheinander bringen. Ohne das amerikanische (WAAS) oder europäische (Egnos) Korrektur- und Integritätsüberwachungssystem für GPS (und falls es irgendwann einmal nutzbar sein wird auch Galileo) ist an eine solche Positionsbestimmung nicht zu denken. Seit der Inbetriebnahme von Egnos zum Oktober 2009 ist aber auch dieses Hindernis „gefallen“. (Einen Bericht zu Egnos mit vielen Grundlageninfos finden Sie hier.)

NextGen und Sesar sollen spätestens bis 2020 in Betrieb genommen werden. Ob man dann in Europa nur noch Sesar-taugliche Flugzeuge starten und lassen will, um Airlines mit veralteter Ausrüstung draussen zu halten, oder ob für eine Übergangsphase auch normale Radar-Überwachung möglich sein wird, ist noch nicht bekannt. Mit Sesar soll dann auch die Aufsplitterung des europäischen Luftraums nach Landesgrenzen beendet werden, was die Überwachung vereinfachen wird.