Handy-Navi Skobbler bald ohne Navteq

Geschrieben am 10 Dezember 2009  von Gerhard Bauer

Der Navigationssoftware-Hersteller Skobbler ist ein Ableger des Hamburger Navi-Produzenten Navigon. Wie viele andere Produkte will Skobbler mit seiner Navigationssoftware für Apples iPhone moderne Navigation mit den Anwender-Rückmeldungen einer Social Community verbinden. Der Kartenhersteller Navteq hat Skobbler im vergangenen Jahr als „stärksten Innovationsmotor im Bereich Location Based Services“ (ortsabhängiger Dienste) ausgezeichnet: Die Navigationssoftware erhält man für 4 bis 8 Euro zum Download, während die digitalen Landkarten für die Bereiche, in denen man navigiert, kostenlos sind. Der Anwender muss nur die Datenübertragung zum Handy bezahlen, was bei einer Datentarif aber belanglos ist. Im Ausland ist das Datenroaming aber unerhört teuer, so dass der Einsatz von Skobbler außerhalb von Deutschland nicht mehr sinnvoll ist. Ebenfalls nicht ganz up-to-date ist, dass die digitalen Landkarten in Bild-Form auf das Handy übertragen werden, so dass die automatische Ausrichtung der Karte auf „Fahrtrichtung oben“ nicht möglich ist.

Nun wechselt Skobbler den Kartenlieferanten. Zwischen Februar und März will man von Navteq auf „Open Street Map“ wechseln. Open Street Map (OSM) ist eine kostenlos verwendbare digitale Landkarte, die von freiwilligern Helfern kostenlos in ihrer Freizeit erfasst wird. Der Hintergrund: Für die Nutzung der Navteq-Karten muss Skobbler Geld an Navteq zahlen, die OSM-Karten kosten Skobbler dagegen gar nichts. Der Umstieg ist aber nicht sehr unumstritten:

Open Street Map hat nach Angaben von Skobbler eine Deutschlandabdeckung von 94 bis 95 Prozent gegenüber Navteq mit 99,9 Prozent. Innerstädtisch ist die Straßenabdeckung von OSM meistens genauso gut wie die von Navteq oder Tele Atlas, auf dem Land und insbesondere im Ausland kann sie aber bedeutend schlechter sein. Unten finden Sie ein Vergleichsbild des berühmten Wintersportortes Cortina d’Ampezzo, der mehr sagt als tausend Worte. Mittlerweile gibt es Anwenderaussagen, die sich getäuscht fühlen von Skobbler: Man hätte die Software nicht gewählt, wenn bekannt gewesen wäre, dass der Hersteller auf das weniger gute OSM wechselt.

Skobbler schreibt, dass OSM Mitte 2009 um die 100.000 freiwillige Helfer gehabt hätte. Auf den OSM-Internetseiten schreiben die OSM-Macher aber selbst, dass von diesen 100.000 nur 10 Prozent wirklich aktiv sind.

Eines der Hauptprobleme von Skobbler soll im März gelöst werden: Fahrtrichtung oben geht nicht.

Eines der Hauptprobleme von Skobbler soll im März gelöst werden: Fahrtrichtung oben geht nicht.

Ein Vergleich der Detailabdeckung von OSM (oben, Stand Dezember 2009) und Navteq (unten, entnommen aus Bing). Die Abdeckung von Cortina d'Ampezzo steigt auch mit höherem Zoomfaktor nicht mehr.

Ein Vergleich der Detailabdeckung von OSM (oben, Stand Dezember 2009) und Navteq (unten, entnommen aus Bing). Die Abdeckung von Cortina d'Ampezzo steigt auch mit höherem Zoomfaktor nicht mehr.