Galileo: Geld reicht nicht für Endausbau

Geschrieben am 13 März 2010  von Gerhard Bauer

Auf dem Münchner Satellite Navigation Summit wurde erstmals zugegeben, dass die aktuellen Finanzmittel nicht für den geplanten Endausbau mit 27 Satelliten (plus 3 im Orbit auf ihren Einsatz wartenden Reservesatelliten) reichen werden.

Auf dem Navigation Summit wurde erstmals vor der Öffentlichkeit die Idee geäussert, dass man nicht unbedingt den vollen Ausbau von Galileo bräuchte: 27 Satelliten wären zwar erforderlich man für eine Abdeckung und Qualität, die vergleichbar wäre mit dem US-amerikanischen Navstar-GPS-System. Wenn man aber großzügig darüber hinwegsieht, dass Galileo in Städten und hügeligen bis bergigen Gegenden nicht mehr funktioniert, würden rechnerisch auch 16 bis 18 Satelliten reichen. Die ESA, namentlich Javier Benedicto, Galileo-Chef der European Space Agency, brachte die Idee vor, dass die Grundfunktionen auf dem flachen Land mit 18 und unter günstigen Bedingungen sogar schon mit 16 Satelliten funktionieren würden.

Grund für diese Aussage sind aber keine Zeitprobleme (siehe unten), sondern finanzielle: Im Verlauf einer Diskussionsrunde musste Paul Verhoef, Leiter Galileo für die Europäische Kommission, eingestehen, dass die aktuellen Haushaltsmittel, die zuletzt 2008 erweitert wurden, auf keinen Fall für die 27+3 Satelliten reichen werden. Das Problem: Der nächste langfristige Haushaltsplan der EU wird erst 2014 aufgestellt. Nach Verhoef kann Galileo deswegen erst 2016 bis 2018, eventuell auch später, fertig gestellt werden.

Zusätzlich auch technische Probleme

Noch im Januar 2010 war geplant, dass in diesem Jahr die ersten „regulären Test-Satelliten“ für Galileo in eine Erdumlaufbahn geschossen werden sollen. Auf dem Münchner „Satellite Navigation Summit“ musste der Zeitplan abermals gedehnt werden: 2010 wird definitiv kein Satellit, der irgendwas mit Galileo zu tun hat, in einen Orbit geschossen.

Zur Erinnerung: Im All befinden sich aktuell mit Giove A und Giove B zwei Satelliten, die nichts anderes zu tun haben, als die für das Galileosystem benötigten Sendefrequenzen zu reservieren. Bevor das reguläre Netzwerk aus mindestens 27 Satelliten (plus drei Reserve-Satelliten) in Umlaufbahnen installiert wird, müssen einige technische Neuerungen wie beispielsweise die neuen hochgenauen Uhren und die Sendemodule für die Satellit-zu-Satellit-Kommunikation in vier sogenannten IOV-Satelliten (In-Orbit-Validation) getestet werden. Diese IOVs werden gebaut von der EADS-Tochter Astrium. Laut letztem Stand sollten zwei noch 2010 fertig werden und die anderen beiden im Lauf des nächsten Jahres.

Nun hat Astrium im Rahmen einer Zeitplan-Präsentation bekannt gegeben, dass die IOV-Satelliten auf keinen Fall vor Februar 2011 fertig werden. Daran ist auch nicht mehr zu rütteln, denn der für August 2010 angesetzte Starttermin in Kourou ist bereits storniert. Aufgrund vertraglicher Probleme ist damit auch die russische Sojus-Rakete, mit der die Satelliten gestartet werden sollte, weg: Die wird jetzt eingesetzt für Kommunikationssatelliten, die mit Galileo nichts zu tun haben.