Garmin zieht in die Schweiz

Geschrieben am 17 März 2010  von Gerhard Bauer

Der US-amerikanische Navi-Hersteller Garmin will seinen globalen Firmensitz in die Schweiz verlegen. Am 20. Mai 2010 soll am organisatorischen und technischen Firmensitz in Kansas eine Hauptversammlung stattfinden, auf der die Aktionäre über die Verlegung abstimmen dürfen. Irgendeine Auswirkung auf die weitere Arbeit von Garmin soll die Verlegung nicht haben. Garmin bleibt primär an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq orientiert und auch weiterhin wird in US-Dollar abgerechnet. Laut Garmin soll der Wechsel der Mutterfirma noch im zweiten Quartal 2010 abgewickelt werden, das am 26. Juni endet.

Ursprünglich Mutterfirma aller Garmin-Geschäftszweige und -Tochterfirmen war die taiwanesische Garmin Corporation. Im Zug des Börsengangs im Jahr 2000 an der Nasdaq wurde die Garmin Ltd. auf den Cayman Inseln als Mutterfirma eingerichtet. Mittlerweile ist Garmin der Boden auf dem Steuerparadies Cayman aber zu heiß: Es wird befürchtet, dass nicht nur in den USA Gesetze „mit negativem Einfluss“ auf dort beheimatete Firmen erlassen werden.

Das neue Büro in der Schweiz soll in Schaffhausen im gleichnamigen Kanton liegen, etwa zehn Kilometer südlich der Deutsch-Schweizer Grenze und 50 Kilometer nördlich von Zürich. Betreut wird Garmin in Sachen Umzug von der Treuhandgesellschaft Klauser & Partner.

Auf die deutsche oder andere Niederlassungen hat der Umzug der Holding in die Schweiz definitiv keinen Einfluss.

Gleichzeitig gibt Garmin bekannt, dass die Dividendenzahlung für 2010 von 0,75 auf 1,50 US-Dollar erhöht wird und korrigiert die Umsatz- und Gewinnerwartung für 2010 um einige Prozent nach oben. Die Nasdaq beantwortet die Meldung mit einem anfänglichen Kursgewinn um 4 Prozent.

Hintergrund: Die Cayman-Inseln (oder auch auf deutsch Kaiman-Inseln) beziehungsweise die Hauptstadt George Town sind laut einer Aufstellung der OECD der fünftgrößte Finanzplatz der Welt. Das verdankt die Insel mit ihren knapp 60.000 Einwohnern der kompletten Steuerfreiheit – es gibt weder Einkommen-, Körperschafts- noch Gewerbesteuer. Auch die Deutsche Bank hat auf den Caymans eine Niederlassung. Trotz der enormen Geldmittel, die offiziell auf den Caymans umgesetzt werden, hat die Insel mit fast 2 Milliarden US-Dollar Schulden eine unerwartet hohe Pro-Kopf-Verschuldung. Diese soll in den nächsten Jahren mit einer normalen Einkommenssteuer behoben werden, dagegen wehren sich die Inselbewohner aber nach Kräften.