TomTom gibt HD-Traffic-Daten weiter an Verkehrsleitzentralen

Geschrieben am 7 April 2010  von Gerhard Bauer

Der niederländische Navihersteller TomTom verwendet seit Jahren seinen Verkehrsinformationsdienst HD-Traffic, um die hauseigenen Oberklassennavis über Staus oder andere Verkehrsbehinderungen hinzuweisen. Als Datenquelle für HD-Traffic verwendet TomTom einen Grundstock an normalen TMC-Informationen, Floating Phone Data von Vodafone und schließlich, als wichtigste Quelle, Floating Device Data der eigenen Navis.

TMC bildet die Grundlage, vor allem für die Erfassung von Baustellen, Straßensperrungen oder anderen langfristigen
Verkehrsstörungen. Diese Daten werden erweitert durch »Floating Phone Daten«, anonyme Bewegungsprofile aller deutschen Vodafone-Handy-Besitzer, die sich in Deutschland aufhalten. Aus dem Wechsel der Handys von einer Funkzelle zur nächsten kann TomTom relativ genau ableiten, mit welcher Durchschnittsgeschwindigkeit sich Fahrzeuge auf dieser oder jener Straße von A nach B bewegen.

Mittlerweile die wichtigste Informationsquelle ist aber Floating Device Data. Alle Live-Navigationsgeräte senden in regelmäßigen Abständen anonymisierte Informationen über die letzten Durchschnittsgeschwindigkeiten an den TomTom-Server. Sinkt das durchschnittliche Tempo auf einem Autobahnabschnitt stark ab, geht das System von einem Stau aus. Auf diese Weise kann es ständig sehr genau ermitteln, wo der Verkehr normal schnell fließt oder wo mit Behinderungen zu rechnen ist. Mit einer einfachen statistischen Hochrechnung weiß TomTom recht genau, wo wieviele Fahrzeuge unterwegs sind.

Diese absolut anonymen HD-Traffic-Daten verkauft TomTom nun an Behörden, die mit Straßenbau und Verkehrslenkung zu tun haben. Mit reinen Verkehrsinformationen können die aber nichts anfangen, so dass TomTom aus HD-Traffic und IQ-Route (historischen Verkehrsinformationen) zwei neue Produkte erzeugt:

„HD Flow“ liefert Echtzeit-Informationen über den aktuell fließenden Verkehr. Zielgruppe sind hier in erster Linie innerstädtische Verkehrsleitzentralen. Die Daten erhält man wahlweise in den Formaten Datex2 oder XML oder kodiert gemäß der TMC-LocationTable. Zielgruppe sind beispielsweise Leitzentralen in den Städten, die daran interessiert sind, den Verkehr möglichst am fließen zu halten.

„HD Route Times“ geht noch einen Schritt weiter, hier werden die Durchschnittsgeschwindigkeiten und Fahrzeiten für einzelne Streckenabschnitte einschließlich verkehrsbedingten Abweichungen von der Sollgeschwindigkeit ermittelt und übertragen. Zielgruppe sind beispielsweise Verkehrsleitzentralen für Autobahnen, die mit Wechselwegweisern den Verkehr möglichst gleichmäßig verteilen sollen.

Der riesige Vorteil der TomTom-Lösungen: Die abgedeckten Straßen müssen nicht mehr mit Sensoren oder Kameras bestückt werden, was ein riesiger Vorteil gegenüber der klassischen Verkehrsüberwachung ist. Über HD-Traffic bzw. die beiden neuen Lösungen sieht man auch den Verkehr auf Straßen, bei denen sich ein herkömmliches Sensorennetzwerk niemals lohnen würde.

Aktuell erfasst von HD Flow und HD Route Times sind die Straßen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Weitere Länder sollen im Verlauf des Jahres 2010 dazukommen.

Im Dezember 2009 berichteten wir bereits, dass TomTom die HD-Traffic-Daten an die Betreiber von Werbetafeln weitergibt.