Garmin: Mischung aus Navi und Pocket-PC

Geschrieben am 31 Mai 2010  von Gerhard Bauer

Das Garmin nüvi 295W ist eine Spezialversion des Navi-Handys „nüvifone G60“, bei dem die „Handy“-Hälfte weggelassen wurde. Das Gerät ist praktisch identisch zum G60 – nur telefonieren kann man damit nicht. Alle anderen Funktionen, wie beispielsweise WLAN, Fotokamera, Internet, E-Mail und Mediaplayer funktionieren aber uneingeschränkt. Damit ist das nüvi 295W eigentlich sowas wie ein Miniatur-iPad, falls Garmin es schafft, den Webbrowser und den Flash-Player mit ausreichender Funktionalität bereitzustellen.

Das nüvi 295W basiert auf einem Linux-Betriebssystem. Es ist mit einem 3,5 Zoll großen Breitbild-Touchscreen ausgestattet. Die Abmessungen von 112 mal 59 mal 15 Millimeter ergeben sich deswegen fast von selbst. Das Gewicht soll 135 Gramm betragen, das Gehäuse besteht aus schwarzem Kunststoff.

Abgesehen vom fehlenden UMTS, GSM, GPRS und Edge sind alle Kommunikationsmöglichkeiten vorhanden: WLAN nach 802.11 b und g, Bluetooth mit A2DP (Stereo-Audio) und AVRCP (Fernbedienung für Audio und Video) und für die Verbindung mit dem PC Mini-USB 2.0. Der normale Flash-Speicher misst 4 GByte, dieser ist aber zum großen Teil belegt mit den digitalen Landkarten für die Navigationsanwendung. Für zusätzlichen Speicher findet man einen Steckplatz im Micro-SD-Format, mit dem man im Moment maximal 16 GByte nachrüsten kann. Über die Art des GPS-Empfängers gibt Garmin wie üblich keine Auskunft. Die Umschaltung zwischen dem Hoch- und dem Querformat erledigt das Gerät automatisch, dank eingebauter Sensoren erkennt es die augenblickliche Haltung und schaltet blitzschnell auf die richtige Ansicht um.

Garmins eher fehlgeschlagene Photonavigation-Kampagne kann etwas Aufwind bekommen mit dem nüvi 295W, denn in das Gerät ist auch eine Digitalkamera mit 3 Megapixeln Auflösung eingebaut. Im direkten Vergleich scheint das zwar nicht überragend, die Qualität der Fotos wird aber von vielen anderen Faktoren stärker bestimmt als von der technischen Auflösung. Aus diesem Grund wäre es verfrüht, jetzt ein Urteil über die zu erwartende Qualität abzugeben.

Das nüvi 295W hat zwar technisch mit den Pocket-PCs (Organizer mit Windows-Mobile-Betriebssystem) technisch gar nichts zu tun, wie gesagt arbeitet das Gerät ja mit einem Linux-Derivat. Die Funktionalität ist aber sehr vergleichbar: Außer E-Mail im POP3-/SMTP- und IMAP4-Format synchronisiert das Gerät auch Kontakte und Kalendereinträge aus Outlook. Außerdem zeigt es Dateien in den Formaten Word, Excel, Powerpoint und PDF. Die Verarbeitung von JPG- und MP3-Dateien ist eher selbstverständlich. Beworben wird das Gerät mit einem „vollwertigen“ HTML-Browser, über seine Qualitäten kann man deswegen derzeit noch kein Statement abgeben.

Mitgeliefert werden in den USA die übliche Autohalterung, Ladekabel und Kartenmaterial für Nordamerika. Zum Verkaufspreis gibt es noch keine Info, wir erwarten aber einen Listenpreis von 249 Euro.

Das nüvi 295W ist nichts anderes als ein nüvifone G60 (das in Deutschland nie auf den Markt gebracht wurde), bei dem die Telefonfunktion fehlt. Alle, die ihrem geliebten Pocket-PC nachtrauern, werden mit diesem Gerät aber vielleicht glücklich!

Das nüvi 295W ist mit einem Sensor ausgestattet, der die Lage des Geräts erkennt.

Stellt man das nüvi 295W aufrecht, passt es automatisch seine Benutzeroberfläche an.

Nichts neues im Staate Kansas: An der bewährten Routenführung hat sich nichts geändert.

Alles drin, was ein Pocket-PC haben muss. Die Betonung auf die Navigation könnte etwas sparsamer ausfallen, aber ... naja, Garmin kommt halt aus dem Navi-Business.

Auch abseits der Straße navigiert das 295W wie ein alter Hase.