u-Blox zeigt GPS mit Fahrzeugsensoren-Anschluss

Geschrieben am 4 Juni 2010  von Gerhard Bauer

Der schweizer Chip-Hersteller u-blox hat GPS-Empfänger entwickelt, der laut eigenen Angaben in fast jedem aktuellen Fahrzeug Sensordaten der Räder sowie die Infos von Beschleunigungssensoren verarbeiten kann.

Mit den zusätzlichen Informationen durch die Fahrzeugsensoren kann das Navi auch ohne GPS-Empfang seine Position bestimmen, was insbesondere in Tunneln, ausgedehnten Parkhäusern (mit im Kartenmaterial erfassten „Straßen“) oder Innenstädten mit sehr hoher seitlicher Bebauung (nach Infos eines anderen Herstellers nur in New York wirklich relevant) nützlich sein kann.

Schon seit längerer Zeit gibt es portable und fest einzubauende Navis, die auf entsprechende Sensorendaten zurückgreifen, um genau in diesen Situationen normal weiternavigieren zu können. Bei portablen Geräten mit einfachen Beschleunigungssensoren misslingt das im Regelfall, während es bei Festeinbauten mit der Erfassung von Radsensoren überzeugend funktioniert.

Beide Gerätegruppen haben ein grundlegendes Problem: Die Sensordaten werden erst hinter dem GPS-Empfänger in die Koordinatenbestimmung einbezogen, und meist erst, wenn der GPS-Empfänger wegen des fehlenden Sichtkontakts zu den Navigationssatelliten keine brauchbare Position liefern kann. Die Neuerung dieser u-blox-Lösung ist, dass schon im GPS-Chip die Sensordaten eingerechnet werden. Der Gerätehersteller kann also Navis mit Sensordatenverarbeitung entwickeln, ohne dass er sich irgendwie selbst um die Daten kümmern muss, denn diese Arbeit nimmt ihm der GPS-Chip bereits ab. Ein weiterer Vorteil ist, dass der GPS-Chip ständig die Sensordaten auswertet und sich deswegen laufend im Hintergrund kalibiert. „Unsere ADR-Lösung (Advanced Dead Reckoning, ‚verbesserte Koppelnavigation‘) ist revolutionär, da keine Anpassungen nötig sind, und sie vollständig auf dem GPS-Chip läuft“, so Thomas Seiler, CEO von u-blox, was so sicher nicht aus der Luft gegriffen ist.

Koppelnavigation, die Verbindung aus GPS-basierter und sensorbasierter Positionsbestimmung, wird laut dem schweizer Hersteller ein stark wachsender Markt: 2009 wurden noch 20 Millionen Endgeräte mit diesem Feature verkauft, im Jahr 2015 sollen es 49 Millionen sein.

Die einzige Voraussetzung an das Fahrzeug ist das Vorhandensein eines CAN-Busses, also einer Datenverbindung der wichtigsten elektrischen Steuergeräte und Komponenten. Wenn ein Auto mit ABS ausgerüstet ist, ist auch ein CAN-Bus von den Rädern zum ABS-Steuergerät vorhanden. Momentan scheitert die Verbindung von Navi und CAN-Bus noch an den passenden Adaptern. Der amerikanische Hersteller Garmin hat aber mit ecoRoute HD bereits demonstriert, wie man ein portables Gerät mit einem Fahrzeug-Datenbus verbinden kann.