Google Navigation in Deutschland

Geschrieben am 9 Juni 2010  von Gerhard Bauer

Google hat heute in Hamburg seine Navi-Anwendung „Google Maps Navigation (Beta)“ (im folgenden nur noch kurz GMN genannt) in der Version 4.2 vorgestellt, die für Anwender in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, Niederlanden, Dänemark, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal ab sofort verfügbar sein soll.

Grundsätzlich ist die Navi-Anwendung komplett kostenlos, aber…

  • … man braucht zwingend ein Handy mit Android-Betriebssystem in der Version 1.6 oder höher.
  • … das ganze ist eine klassische Offboard-Navigation. Das Handy berechnet die Routen also nicht selbst, sondern schickt nur den aktuellen Standort und das gewünschte Ziel an einen zentralen Server, der die fertige Route dann zurücksendet. Das erzeugt Datenverkehr. In den USA ist das meistens kein Problem, weil die Mobilfunknetze weit größer sind als in Europa. Auf dem „alten Kontinent“ ist aber das Datenroaming in anderen europäischen Ländern teilweise extrem teuer. Und dagegen hilft auch keine Datenflatrate.
  • … das ganze läuft im Auto nicht lange ohne Stromkabel. Ein Leser hat uns mal gefragt, warum die Akkus im Navi schon nach wenigen Stunden schlapp machen und die Akkus in Handys über hundert Stunden halten. Er ging dann wie selbstverständlich davon aus, dass man mit einem Handy auch über hundert Stunden navigieren könne. Das ist natürlich falsch, denn ein Handy macht im Standby im wesentlichen gar nichts, deswegen braucht es kaum Energie und deswegen hält ein ordentlicher Akku tatsächlich bis zu einer Woche. Wenn man eine Navi-Anwendung auf dem Handy startet, reicht der Akku meist nicht mal eine Stunde, weil der GPS-Empfänger, der Prozessor, das Display und alle anderen Komponenten weit mehr Strom brauchen als im Standby. Der sinnvolle Einsatz eines Handys mit Navi-Anwendung erfordert also eigentlich zwangsläufig eine Halterung und ein Ladekabel.

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Google Maps Navigation erkennt nach eigenen Angaben auch „unscharfe“ Eingaben. Es reicht also beispielsweise die Eingabe von „Starbucks“, um den nächsten Coffeeshop zu finden, oder der Name einer Firma. Integriert in GMN ist auch „Google Search by Voice“, eine Spracherkennung für die Suche im mobilen Google. Dann wird die gesprochene Suchanfrage am Stück digitalisiert und an den Server geschickt. Erst dort versucht Google, die Anfrage zu erkennen und verarbeitet sie weiter.

Wir gehen davon aus, dass das Kartenmaterial wie in Google Maps größtenteils von Tele Atlas und zusätzlich einigen kleineren Anbietern stammt. GMN zeigt auch Verkehrsbehinderungen auf der Karte. Bisher konnten wir aber nicht in Erfahrung bringen, wer diese Daten liefert und ob sie schon bei der Routenberechnung berücksichtigt werden.

Die oft gezeigte Routenführung mit fotorealistischen Straßenansichten beruht wirklich nur auf Fotos: Nur in Gegenden, die mit Street View (das hierzulande ja extrem umstritten ist) erfasst wurden, kann man an Abbiegungen ein entsprechendes Bild automatisch anzeigen lassen. Normalerweise zeigt das Handy eine klassische 2D-Kartenansicht oder ein 3D-Satellitenbild. Die Sat-Bilder dürften nicht über die Auflösung verfügen, dass Abbiegepunkte so hoch vergrößert werden wie bei einem klassischen Navi.

Zur weiteren Technik haben wir einen ganzen Fragenkatalog an die Presseagentur von Google geschickt, bisher erhielten wir aber keine Antwort. Sobald wir mehr zu GMN schreiben können, werden wir das umgehend nachholen.