Zukunftstrend: Location Based Services

Geschrieben am 15 Juni 2010  von Gerhard Bauer

Aktuell drängen wieder einige große und sehr viele kleine und kleinste Firmen in den Navi-Markt. Das Zauberwort heißt zum wiederholten Male „Location Based Services“ oder auf gut deutsch „Kohle machen mit Werbung“.

Sie fahren von A nach B oder befinden sich gar am Punkt C und stehen dort relativ planlos rum. Dann wird Ihnen das Navigationssystem künftig „standortabhängige Verbraucherempfehlungen“ zeigen, nämlich das nächstliegende Geschäft, in dem Sie möglichst viel Umsatz erzeugen sollen. Natürlich nicht irgendeinen Laden, sondern nur einen, der eine Vereinbarung mit Ihrem Navi-Hersteller beziehungsweise dem Service-Anbieter hat. Angelockt werden Sie mit Angeboten wie „zwei Hamburger zum Preis von einem“, die automatisch auf dem Display aufpoppen, wenn man das nächste Sushi-Restaurant sucht. Darüber wird schon seit dem Aufkommen der ersten Navigationslösungen diskutiert, also seit etwa 1997, brauchbar technisch gelöst hat das bisher aber noch kein Hersteller.

Navteq startet jetzt einen neuen Versuch mit Gründung der Tochterfirma Navteq Media Solutions. Dieser Ableger des mittlerweile finnischen Kartenherstellers spezialisiert sich auf die Zusammenfassung vieler verschiedener Werbetreibender. Ein Navihersteller muss sich also nicht mehr an viele einzelne Werbekunden wenden, sondern nur noch an einen großen. Wenn man will, kann man Navteq Media durchaus als „Google Adsense / Adword für Navis“ bezeichnen.

Um diese Daten zu verarbeiten, braucht das Navigationsgerät auf alle Fälle eine Online-Anbindung. Die zweite Voraussetzung ist die Bereitschaft der Anwender, die Werbung (im weitesten Sinne) auch zu akzeptieren. Natürlich wird sich kein einziger Navi-Besitzer freuen über plumpe Werbeblasen, aber unzählige Verbraucher nutzen Gutscheine, mit denen sie etwas billiger erhalten. Auch wenn man „nur“ zwei Hamburger zum Preis von einem erhält, oder den Liter Benzin mit einem Cent Rabatt erhält, werden diese teilweise sehr gerne genutzt.

Refinanzierung durch Werbung?

Fast der gesamte „Navigation & Location Summit 2010“ in Berlin dreht sich um das Thema, wie man Geld verdienen will in einem Markt, der durch einige Anbieter kostenloser Angebote verdorben wird: Nokia bietet sein kostenloses Navigationsprogramm für die Smartphones aus eigener Herstellung, Google seine eigene Offline-Anwendung für Smartphones mit Android-Betriebssystem und ein paar kleine Unternehmen wie beispielsweise Skobbler realisieren kostenlose Angebote, die aktuell nur für Idealisten taugen, irgendwann in der Zukunft aber mal Geld bringen sollen.

Die großen Gerätehersteller (u.a. TomTom, Garmin, Navigon, Falk, Becker und Mio) sind natürlich der Meinung, dass auch künftig PNDs die bevorzugte Navigationslösung sein werden. Sie verbessern ihre Produkte laufend und implementieren ständig neue Funktionen, um dem ständigen Preisverfall standzuhalten. Diese Hersteller brauchen nicht unbedingt Location Based Services, höchstens zur Finanzierung von beispielsweise Online-Verkehrsinformationen, die dann entsprechend billiger oder im besten Fall kostenlos an die Verbraucher abgegeben werden können.

Vor zwei Jahren meinte ein Product Manager von TomTom noch zu uns, dass man vielleicht irgendwann mal die Connected-Navis fast kostenlos abgeben könnte, weil sich die Geräte über Serviceverträge wie beim Handy finanzieren würden. Nun ist es nicht mehr so weit gekommen, denn mittlerweile erhält jeder Käufer die Internetservices für mindestens ein Jahr kostenlos, und anschließend werden die Services zu Preisen angeboten, die Außenstehenden im besten Fall gerade noch rentabel erscheinen mögen.

Denkbar wäre hier auf alle Fälle die zusätzliche Finanzierung durch Werbung. Problematisch ist nur, dass die Lizenzkosten (zum Beispiel bei TomTom mit weniger als 5 Euro pro Monat) bereits so niedrig sind, dass man sie eher als Schutzgebühr betrachten darf – niedriger dürfte der Eigenanteil des Anwenders sogar bei einem werbefinanzierten Modell nicht mehr werden.

Vielleicht sind aber auch die Anwender noch nicht reif für Location Based Services. Dann dürfte es am besten sein, wir vertagen die Einführung nochmals um zehn bis zwölf Jahre. Vielleicht sind aber auch die Ideen und Geschäftsmodelle der Hersteller noch nicht reif für uns Anwender.

Das lief klasse: Standortabhängige McDonalds-Werbung in Finnland. Als Angebot gab es Cheeseburger für 1 Euro. (Über sowas können die Deutschen nur müde lächeln, da ist dieser Preis normal.)