TMC Pro mit vierfacher Abdeckung und neuem Namen

Geschrieben am 17 Juni 2010  von Gerhard Bauer

TMC Pro ist ein kostenpflichtiger Verkehrsinformationsdienst, der gegenüber dem öffentlich-rechtlichen TMC mehr Aktualität und mehr Genauigkeit bieten soll. Zum Januar 2009 wurde TMC Pro von der T-Systems an den Kartenhersteller Navteq verkauft, die Tochterfirma hieß Navteq Service GmbH und war unverändert in Bonn beheimatet. Im September 2009 startete Navteq dann die Vermarktung aller europäischer Premium-TMC-Dienste, auch wenn sie nicht zu Navteq gehören, unter dem Logo Navteq Traffic. Nun wurde das deutsche „TMC Pro“ offiziell in „Navteq Traffic“ umgenannt. Die Bezeichnung TMC Pro sollte also bei neuen Angeboten nicht mehr verwendet werden.

Im Rahmen des „Navigation and Location Summit Europe“ hat Navteq bekannt gegeben, dass ab sofort die Abdeckung der Navteq-Traffic-Dienste in Deutschland vervierfacht wird. Maximal konnte TMC Pro in der Vergangenheit nur die Straßen abdecken, die in der bundeseinheitlichen und für alle TMC-Dienste verbindlichen „Location Table“ der Bundesanstalt für Straßenwesen erfasst waren. Das waren alle Autobahnen, Bundes-, Staats- und Kreisstraßen bis hin zu mittelwichtigen Ortsverbindungsstraßen. Eine feinere Abdeckung überstieg vor einigen Jahren die vorhandenen Möglichkeiten der Stauerfassung, konnte andererseits aber auch nicht via TMC an die Navigationssysteme gesendet werden.

Navteq Traffic erfasst momentan Staus und andere Verkehrsstörungen mit folgenden Quellen:

  • Die 4000 fassartigen Sensoren über den Mittelstreifen der Autobahnen sind sicher schon jedem Autofahrer aufgefallen. Sie überwachen die Fahrzeuggeschwindigkeiten auf den linken Spuren und melden diese an die Navteq-Traffic-Verkehrsmeldestelle. Außerdem fließen auch die Ergebnisse von weiteren 5500 öffentlich-rechtlichen Sensoren der Autobahndirektionen und Verkehrsmeldestellen ein.
  • Floating Phone Data von T-Mobile: Es gab bereits eine Verinbarung über die Nutzung von Handydaten zwischen der T-Mobile und der T-Systems Traffic, die aber Anfang 2009 nach der Übernahme von TMC Pro durch Navteq storniert wurde. Auch ein kurzzeitiger Ausflug der Navteq Traffic zu E-Plus kam nicht über das Verhandlungsstadium hinaus. Die Vereinbarung zwischen T-Mobile und Navteq Traffic wurde jetzt aber überraschend erneuert, so dass Navteq Traffic bald auf diese Floating Phone Daten zurückgreifen kann.
  • GPS-Probe-Daten: Gemeint sind keine „Versuchsdaten“, sondern Daten aus „Verkehrs-Sonden“, die mit GPS ausgerüstet sind. Mit diesem speziell im deutschen missverständlichen Begriff hat Navteq Traffic eine neue Umschreibung für Floating-Device-Daten (FDD) erfunden. FDD sind die genauesten Verkehrsdaten überhaupt, denn sie stammen von realen Fahrzeugen bzw. Navi-Geräten, die sich im normalen Verkehr bewegen. Sie übertragen in einem Takt von fünf Sekunden ihre momentane (von einem eingebauten GPS-Empfänger bestimmte) Position und Geschwindigkeit via eine Datenfunkverbindung an einen zentralen Verkehrsrechner. Dieser weiß damit in Echtzeit, auf welchen Straßen man wie schnell fahren kann. Nun ist die Verkehrs-Sonde kein hochtechnisches Gebilde, sondern versteckt sich in den Live-Geräten von Navigon und Garmin und in allen iPhones mit Navigon-Navigationsanwendung (die zudem kostenlos an alle iPhone-Anwender bei T-Mobile abgegeben wird). Die größte Probe-Datenquelle sollen aber alle mit einem GPS-Chipsatz ausgerüsteten Nokia-Handys mit OVI-Software werden.
  • Technisch identisch sind Flottendaten von vielen tausend Lieferfahrzeugen in Deutschland. Ihr großer Vorteil ist, dass sie bereits am frühen Morgen Daten erfassen, wenn die Besitzer der meisten GPS-Probes noch beim Frühstück sitzen. Selbstverständlich werden hier nur längere Fahrten ausgewertet, der tatsächliche Haus-zu-Haus-Verkehr dürfte keine sinnvollen Ergebnisse bringen.

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Wie eingangs erwähnt, übersteigt die Abdeckung von Navteq Traffic jetzt die Abdeckung der Location Table, die für alle Navis mit Radio-TMC-Empfänger verbindlich ist. Deswegen werden normale Navis, die Premium-TMC-Verkehrsinfos per UKW empfangen, nur von der höheren Aktualität profitieren können, nicht jedoch von der feineren Abdeckung. Um die vierfache Abdeckung nutzen zu können, braucht man eine Online-Verbindung als Übertragungsweg. Nach dem Preisverfall der Übertragungskosten auf deutlich unter 5 Euro pro Monat (einschließlich Auslandsabdeckung!) dürften daher immer mehr Navis und Festeinbauten mit einem GPRS- oder EDGE-Datenübertragungsmodul ausgerüstet werden.