Alle Markennavis unter 100 Euro

Geschrieben am 17 Juni 2010  von Gerhard Bauer

Das preiswerteste Navi kommt momentan vom Hamburger Hersteller Navigon. Das Navigon Primo war bis vor kurzem topaktuell und ist erst seit wenigen Wochen ein „Auslaufgerät“. Deswegen ist es aber noch nicht schlecht, ganz im Gegenteil: Es bietet alles, was ein einfaches Einsteigergerät haben muss: Es wird geliefert mit komplettem und – wie immer – hochdetailliertem Kartenmaterial von Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Dank der FreshMaps-Garantie darf man das vom vierten Quartal 2009 stammende Kartenmaterial kostenlos auf den aktuellen Stand updaten, dafür braucht man nur einen PC mit einer halbwegs schnellen Internetleitung. Der Bildschirm des Primo ist 3,5 Zoll oder knapp 9 Zentimeter groß, so dass das Gerät aufgrund seiner minimalen Abmessungen in jede Tasche passt: Es ist 97 Millimeter breit, 72 Millimeter hoch und 15 Millimeter dick. Für schnelle Routenberechnung sorgt ein 500 MHz schneller Sirf Atlas IV, der Prozessor und GPS-Empfänger vereint. Der Listenpreis betrug im Dezember letzten Jahres 99 Euro, mittlerweile erhält man das Gerät neu und originalverpackt für knapp 60 Euro. Zu diesem Preis verdient das Primo eine dicke Kaufempfehlung! Das Gerät bietet aber keinen Empfänger für Verkehrsinformationen (die gibt’s in Form kostenloser Durchsagen im Radio) und wenn Sie mit der Karte von Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht reichen, sollten Sie lieber gleich ein größeres Navi kaufen, weil der Kartennachkauf unverhältnismäßig teuer ist.

Die Modelle 1400, 1410 und das Primo stecken alle im gleichen Gehäuse. Unterschiedlich ist eigentlich nur die Ausstattung mit Software, Karten und dem TMC-Empfänger.

Etwas moderner und mit weit mehr Softwarefunktionen ausgerüstet ist das Navigon 1400 DACH, das ohne TMC aktuell für unter 90 Euro zu haben ist. Es bietet die gleichen Landkarten wie das Primo, Sie können damit also in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz hausnummerngenau navigieren. Auch hier kann man sich bei Bedarf die beim Kauf aktuellste digitale Landkarte kostenlos herunterladen und auf das Navi übertragen. Das 1400 ist genauso groß wie das Primo, passt also leicht in jede Hemdtasche, und verfügt wie sein kleiner Bruder über modernste Technik im Inneren: Wieder werkelt ein 500 MHz schneller Sirf Atlas IV. Damit findet das Gerät nach dem Einschalten sehr schnell die aktuelle Position, so dass es deutlich schneller als viele Mitbewerber mit der Navigation beginnen kann. Die Kniffe stecken allerdings wie beschrieben in der Software: Das 1400 bietet gegenüber dem Primo einen richtigen Fahrspurassistenten, der nicht umsonst (aber etwas konservativ) „Fahrspurassistent Pro“ heißt. Er zeigt in unübertroffen klaren Bildern am rechten Rand des Displays, wie Sie sich am besten einordnen müssen. Und das schon so weit vor der nächsten Abbiegung, dass auch Fahrer, die Autobahnen und Großstädte genau wegen dieser Einordnerei scheuen, keinerlei Probleme mehr haben. Auf Autobahnen zeigt „Reality View Light“, welche Ausfahrten Sie nehmen müssen. Auch komplizierte Ausfahrten mit mehreren Abbiegemöglichkeiten zeigt das Navigon 1400 mehr als übersichtlich. MyRoutes berechnet auf Wunsch nicht nur eine Route zum Ziel, sondern bis zu drei. Diese zeigt es dann übersichtlich auf dem Bildschirm an, damit Sie die wählen können, die Ihnen am besten zusagt. Aktuelle Angebote listen das Navigon 1400 ohne TMC-Empfänger für knapp unter 90 Euro. Eine Kaufempfehlung sprechen wir nicht aus. Das liegt aber keinesfalls an der mangelnden Qualität, sondern einfach daran, dass es zum praktisch gleichen Preis noch etwas besseres gibt.

Das Navigon 1410 EU 20 bietet alle Vorzüge des beschriebenen Navigon 1400, geht aber noch ein paar Schritte weiter – zum praktisch gleichen Preis. Der wichtigste Vorteil ist sicherlich das Kartenmaterial: Es umfasst nicht nur Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz, sondern insgesamt gleich 20 Länder Mitteleuropas. Grob gesagt sind das alle Länder, die an den deutschen Sprachraum angrenzen, was so ziemlich der normalen Auto-Reisedistanz entsprechen dürfte. Außer Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz sind das die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich mit Monaco, Andorra, Spanien, Italien mit San Marino und dem Vatikan, Dänemark, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien – jeweils inklusive aller Inseln, also auch der Balearen und der Kanaren. Mit dieser Abdeckung kommt man schon mal ziemlich weit. Auch hier gilt die FreshMaps-Garantie, mit der man 30 Tage nach dem Kauf die zu diesem Zeitpunkt aktuellste Karte kostenlos herunterladen und auf das Navi übertragen darf. Das zweite Highlight ist der beiliegende TMC-Empfänger, mit dem das Navigon 1410 EU 20 die kostenlos empfangbaren Verkehrsnachrichten empfängt und Staus oder andere Verkehrsbehinderungen auf Wunsch in seinen Routenberechnungen berücksichtigt. Für diesen Funktionsumfang erhält das ebenfalls knapp 90 Euro teure Navigon 1410 EU 20 eine extradicke Empfehlung.

Der einzige Mitbewerber, der für unter 100 Euro Geräte ins Rennen schickt, ist der amerikanische Hersteller Garmin. Auch diese Firma ist ein „Pionier“ im Navi-Geschäft, was für lange Verfügbarkeit aktueller Landkarten und Zuverlässigkeit bürgt. Im Moment gibt es drei Geräte, die sich gegenseitig nicht viel nehmen. Leider sind alle drei wie das Navigon Primo „Auslaufmodelle“. Weil aber auch Garmin eine Garantie auf die aktuellsten digitalen Landkarten anbietet, macht man sicher nicht viel falsch.

Aus dem Baukasten: Die nüvis unterscheiden sich nur in der Gehäusefarbe, der Karte und ob ein TMC-Empfänger beiliegt.

Das Garmin nüvi 205 DACH bietet seltsamerweise Kartenmaterial von Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein, Österreich – und Tschechien. Wie der Hersteller darauf kommt, diese relativ selten nachgefragte Länderkombination anzubieten, konnte uns bis heute niemand schlüssig erklären, aber wir wollen uns mal nicht beschweren. Auch Garmin bietet eine eine Garantie auf die beim Kauf aktuellste digitale Landkarte, hier hat man nach dem Kauf sogar 60 Tage Zeit, das Update durchzuführen. Das Display ist wie bei allen anderen Geräten auch 3,5 Zoll oder knapp 9 Zentimeter groß, so dass auch die Abmessungen mit 97 mal 71 mal 20 Millimeter praktisch identisch sind. Ein Fahrspurassistent und eine Ansicht der Autobahnausfahrten fehlt den besonders günstigen und deswegen hier aufgelisteten Garmins aber grundsätzlich. Auch ist die Zieleingabe nicht so intelligent wie beim Mitbewerber aus Hamburg. Dafür bietet das nüvi die sogenannte Photonavigation: Der Anwender kann im relativ unbekannten Google-Dienst Panoramio Sehenswürdigkeiten, die andere User bereits entdeckt haben, als Bild heraussuchen und auf das Navigationsgerät übertragen. Dieses zeigt diese besonderen Ziele auch als Bild an und dann reicht ein Fingerdruck, um sie als Ziel zu übernehmen. Eine weitere Funktion, die allerdings mit europäischen Straßen nicht zurechtkommt, ist ecoRoute: Dieser Modus berechnet besonders spritsparende Wege, die allerdings nicht selten den letzten Nerv rauben und besonders viel Zeit erfordern. Aber keine Bange: Wählt man die kürzeste oder schnellste Strecke, arbeiten die nüvis sehr zuverlässig. Das Garmin nüvi 205 DACH erhält man aktuell für unter 80 Euro.

Mit einem sehr guten Verkehrsfunkempfänger ausgestattet ist das Garmin nüvi 205T DACH. Dieses Navigationsgerät ist absolut identisch zum 205 DACH, inklusive aller Vor- und Nachteile, und ist aktuell zum gleichen Preis von knapp unter 80 Euro erhältlich. Wenn Ihnen die Kartenabdeckung von Deutschland, Österreich und der Schweiz ausreicht, Sie aber mit Verkehrsinformationen navigieren wollen, sollten Sie sich das nüvi 205T DACH genauer ansehen.

Einen besonderen Platz verdient das Garmin nüvi 255. Es ist das einzige Navigationsgerät mit praktisch kompletter Europakarte, das für unter 100 Euro erhältlich ist. Da heute alle Navis im Baukastenprinzip zusammengestellt werden, wissen Sie vielleicht schon, was kommt: Die Hard- und Software des Garmin nüvi 255 entspricht exakt dem nüvi 205. Damit verfügt es über die sogenannte Photonavigation und die leider auch hier mehr oder weniger unbrauchbare ecoRoute-Berechnung. Leider gibt’s für unter 100 Euro keinen TMC-Empfänger mehr. Wenn Sie mit einem solchen liebäugeln, sollten Sie unbedingt noch 15 Euro mehr ausgeben für das Modell nüvi 255T, denn ein als Zubehör gekaufter Empfänger für Verkehrsinfos kostet mindestens 50 Euro mehr.

Bitte beachten Sie, dass wir grundsätzlich nur längerfristig erhältliche Geräte von Markenherstellern in die Übersicht aufgenommen haben, bei denen sicher gestellt ist, dass man auch nach einiger Zeit noch Kartenaktualisierungen oder Updates erhält.
TomTom, Becker und Falk bieten leider momentan keine Geräte für weniger als 100 Euro an.

Kaufen können Sie die vorgestellten Geräte gleich hier: