Neuer Navi-Hersteller: Prestigio

Geschrieben am 25 Juni 2010  von Gerhard Bauer

Der britische Elektronikhersteller Prestigio will es mit zwei neuen Navigationsgeräten jetzt auch mal auf dem deutschen Markt probieren. Interessanterweise handelt es sich dabei aber nicht um billige Einsteigernavis, sondern um Geräte, die preislich deutlich in der Oberklasse angesiedelt sind.

Das „GeoVision 4120 BT“ und das „GeoVision 5120 BT“ sind mit einem 4,3 Zoll beziehungsweise einem 5,0 Zoll großen Bildschirm ausgerüstet und kosten 149 und 169 Euro. (In der Pressemeldung steht irrtümlicherweise „49 Euro“, das wurde aber bereits korrigiert.)

Das Interessante an beiden Geräten: Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern könnten die GeoVisions tatsächlich Kunden gewinnen, denn beide arbeiten mit einer zuverlässigen und bekannten Navigationssoftware: „iGo Amigo“ ist eine Spezialversion der iGo-Software von NNG, die vor über einem Jahr erstmals vorgestellt wurde, bisher aber erst in einigen Geräten des Elektronikversenders Pearl verwendet wird. iGo Amigo soll besonders einfach bedienbar sein, weil die Software auf alle Einstellmöglichkeiten und technischen Gadgets verzichtet. Böse Zeitgenossen munkeln, dass sich TomTom bei der Konzeption der Einfach-Navis Start² und XL² von iGo Amigo inspirieren ließ. Die normale iGo-Navigationssoftware wird beispielsweise verwendet in allen modernen Becker-Geräten.

Beide Geräte bieten unter anderem eine eingebaute Bluetooth-Freisprecheinrichtung und einen FM-Transmitter, zu dem wir die an diesem Punkt sehr interessante Pressemeldung zitieren müssen: „…FM-Transmitter, der Radiowellen benutzt, um MP3 Musik von Micro-SD Karten vom Navi-System an das Autoradio zu senden.“ Die Navis besitzen also einen eingebauten MP3-Player, der seine Musiksignale über den miniaturisierten UKW-Sender an das Autoradio überträgt. Sinnvollerweise sollten die Navis auch die Sprachansagen des Navis per FM-Transmitter übertragen. Die Übertragung ausschließlich von Sprachansagen ist hierzulande ja definitiv nicht erlaubt, weil ein FM-Transmitter keine Leersignale (die in den Pausen zwischen den Ansagen entstehen würden) übertragen darf. Den UKW-Sender kann man auch nicht zwischen den Ansagen abschalten, weil sonst das Radio den Sendersuchlauf aktiviert. Die Übertragung von Ansagen per UKW-Sender, aber nur wenn gleichzeitig der MP3-Player Musik spielt, ist die einzige Lösung für dieses Problem.
Wenn Ihnen das alles zu kompliziert ist, können Sie die Ansagen natürlich auch auf dem eingebauten Lautsprecher hören.

iGo Amigo zeigt nach Angaben des Naviherstellers auch Denkmäler und bedeutende Bauwerke dreidimensional in seiner Kartenansicht. Theoretisch müssten in iGo Amigo auch ein Spurassistent und realistische Wegweiser enthalten sein, dazu schweigt sich die Pressemeldung aber aus. iGo verwendet vorzugsweise Kartenmaterial von Tele Atlas, kann auf besonderen Wunsch aber natürlich auch Navteq-Karten verarbeiten. In den Prestigios wird aber Tele Atlas verwendet.

Die Hardware ist – abgesehen von den verschieden großen Bildschirmen – immer gleich: Im Inneren werkelt ein Sirf Atlas IV mit 533 MHz Taktfrequenz. Dieser Chip kombiniert einen Prozessor mit ARM-Kern mit dem 64-Kanal-GPS-Empfänger – zu Lasten des Preises, nicht der Qualität. Der eingebaute Arbeitsspeicher ist 128 MByte groß, der integrierte Flash für die digitalen Landkarten misst 2 GByte. Weiterer Arbeitsspeicher kann über einen Micro-SD-Steckplatz nachgerüstet werden. Über den Empfang von Verkehrsinformationen schweigt sich die Pressemeldung völlig aus. Für konkretere Aussagen müssen wir warten, bis wir Testgeräte erhalten.

Die Preise betragen wie eingangs erwähnt 149 und 169 Euro. Enthalten ist bei jedem Modell ein 12 Monate dauerndes Kartenabo, das von NNG verwaltet wird. Zusatzkarten und andere Softwareextras findet man auf http://prestigio.naviextras.com.

Die beiden Navigationsgeräte sollen unter anderem in Elektronikmärkten, bei Internethändlern und auf der eigenen Seite www.prestigioplaza.com erhältlich sein. (Beim Verfassen dieser Meldung konnten wir sie im Prestigio-Plaza aber noch nicht ausmachen.)

An der rechten Seite des Prestigio GeoVision 5120 BT sieht man u.a. den Mini-USB-Anschluss, an den man eigentlich auch einen TMC-Empfänger anschließen können sollte. Ausländische Hersteller wissen tatsächlich oft manchmal nicht, dass Verkehrsfunk ein absolutes MUSS im deutschen, österreichischen und schweizer Markt darstellt.


Das folgende Zitat aus der Pressemeldung können wir Ihnen einfach nicht vorenthalten: „Prestigio, ein international agierender Hersteller von innovativen Digital Home und Digital Office-Produkten für stilbewusste Anwender, stellt zwei neue preiswerte Navi-Systeme vor, die über eine Reihe innovativer und nützlicher Funktionen verfügen.“ Dafür fehlen Infos zur Kartenabdeckung oder wie gesagt zum Verkehrsfunkempfänger.

Auch bei Amazon gibt’s die Geräte noch nicht zu kaufen. Der Preis von über 220 Euro für das laut Liste 169 Euro teure Modell kann getrost als Witz bezeichnet werden: