Umfrageergebnisse zum Navi

Geschrieben am 6 Juli 2010  von Gerhard Bauer

Die Marktforscher von Strategy Analytics haben eine Anwenderbefragung zum Thema Navigation mit ganz erstaunlichen Ergebnissen auf dem „Navigation & Location Summit 2010“ in Berlin vorgestellt. Im folgenden zeigen wir die wichtigsten Resultate, die Senior Analyst Chris Schreiner präsentieren konnte.
Befragt wurden jeweils west- und mitteleuropäische Anwender.

Wie oft nutzen Sie Ihr Navigationsgerät?

Die Befragten hatten die Auswahl zwischen

  • Ich nutze es jeden Tag
  • Ich nutze es mindestens einmal pro Woche
  • Ich nutze es manchmal, aber weniger als einmal pro Woche
  • Ich habe es mal benutzt, jetzt nicht mehr
  • Ich besitze sowas, nutze es aber nicht“.

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Besitzer von fest im Fahrzeug verbauten Navigationsgeräten antworteten folgendermaßen: 18 % nutzen es täglich und weitere 21 % nutzen es mindestens einmal pro Woche. 40 % nutzen es weniger als einmal pro Woche.
Dass es mit vielen Festeinbauten nicht weit her ist, zeigen die Zahlen von 17 % (habe es mal benutzt, nutze es jetzt aber nicht mehr) für höchstwahrscheinlich enttäuschte Anwender und weiteren 4 %, die den Festeinbau gar nicht nutzen.
Bei Besitzern tragbarer Navis sehen die Zahlen ganz anders aus: 11 % nutzen es täglich, 25 % mindestens einmal pro Woche und 62 % zumindest regelmäßig. Nur 2 Prozent nutzen es nicht mehr, während für „habe es mal gekauft, nutzte es aber nie“ naturgemäß 0 % bleiben – niemand kauft sowas, ohne es auch zu benutzen.
Dieses Ergebnis ist absolut realistisch: Viele Festeinbauten werden nur seltenst verwendet, weil sie aufgrund der Ein-Knopf-zum-Ziehen-Drücken-Drehen-Eingabe viel zu umständlich zu bedienen sind. Jemand, der sich für ein portables Navi entscheidet, ist dagegen sehr oft ein Power-Anwender, der sich dessen bewusst ist, dass diese Geräte weit innovativer und aktueller sind als praktisch alle Festeinbauten.

Alter der regelmäßigen Anwender

Eine Beobachtung, die wir auch schon bei Leserumfragen des gedruckten Navi-Magazins machten, ist das ungewöhnliche Durchschnittsalter der Anwender mobiler Navigationsgeräte. Bei der Frage, wie oft man das mobile Navi nutzt, wurde jetzt nur das Alter der Befragten ausgewertet – wohlgemerkt, nur derjenigen, die auch ein mobiles Navi á la Garmin oder TomTom besitzen. Die intensivsten Anwender wurden ermittelt durch die Addition der ersten beiden Antworten „täglich“ und „mindestens einmal pro Woche“.

  • 55 Jahre und älter: 35 %
  • 45 bis 54 Jahre: 51 %
  • 35 bis 44 Jahre: 37 %
  • 25 bis 34 Jahre: 33 %
  • 20 bis 24 Jahre: 37 %
  • 19 und jünger: 33 %

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Tatsächlich sind die intensivsten Navi-Nutzer die der Altersgruppe 45 bis 54 Jahre. Scheinbar treffen sich hier eine Aufgeschlossenheit für solche Gadgets, das Hobby „Autofahren“ und auch die dafür nötige Zeit.

Was sind die beliebtesten Funktionen?

Hier hatten die Anwender die Wahl zwischen „Muss drin sein“, „nett, muss aber nicht“ und „brauche ich nicht“.

  • Verkehrsinformationen: 36 % / 61 % / 3 %
  • Sonderzieldatenbanken: 32 % / 52 % / 17 %
  • Blitzerwarner: 26 % / 48 % / 26 %
  • Sprachausgabe: 19 % / 50 % / 31 %
  • Fußgängernavigation: 12 % / 51 % / 36 %
  • Bluetooth-Freisprecheinrichtung: 12 % / 46 % / 42 %
  • Musikwiedergabe: 9 % / 30 % / 60 %
  • Spaß-Sprachausgaben: 5 % / 44 % / 52 %

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Diese Zahlen unterschieden sich sehr stark von denen anderer Länder. In Frankreich sind Blitzerwarner für 87 % aller Anwender ein Muss, weitere 11 % finden sie gut. In Großbritannien sind dagegen Verkehrsinformationen nur für 26 % der Anwender ein Muss, dafür muss bei 22 % der Anwender eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung drin sein.

Falsche Schlussfolgerungen

Die bisher geschilderten Infos sind durchaus interessant und bestätigen teilweise die Erfahrungen der Marktteilnehmer. Bei der Markenbekanntheit merkt man aber, dass Strategy Analytics nicht sehr vertraut ist mit dem deutschen oder europäischen Markt. Die überraschende Reihenfolge der Markenbeliebtheit: TomTom, Blaupunkt, Garmin, Pioneer, Google, Harman Becker und schließlich Samsung Mobile Navigator. Zu dem Zeitpunkt der Umfrage im vergangenen Herbst und Winter hatten der zweit-, viert und sechstgenannte das PND-Geschäft an den Nagel gehängt, der fünftplatzierte hatte nicht mehr als ein paar Bildchen vorzuweisen und der siebte war in homöopathischen Mengen über den Handymarkt zu uns gekommen. Wichtige Marken wie Navigon, Becker und Falk kannten die amerikanischen Marktforscher scheinbar überhaupt nicht. In diesem Zusammenhang wundert es uns nachträglich, dass sich an diesem Punkt der Präsentation niemand von United Navigations oder Navigon bemerkbar gemacht hat.