Microsoft im Auto

Geschrieben am 19 Oktober 2010  von Gerhard Bauer

Microsoft startet mit Windows Embedded Automotive 7 (WEA 7) einen neuen Versuch, im Automobilbereich Fuß zu fassen. WEA 7 ist nach eigenen Angaben ein Echtzeit-Betriebssystem, also das krasse Gegenteil der normalen Windows-Varianten für den PC. Als Echtzeit-Betriebssystem bezeichnet man ein Computer-Betriebssystem, das auf externe Einflüsse (Sensormeldungen, Schalterbetätigungen, Anwendereingaben) innerhalb einer exakten Zeitvorgabe und mit ebenso exakten Ergebnissen reagiert. Unter dem normalen Windows ist das nicht so, denn wenn der Rechner beziehungsweise sein Betriebssystem mal beschäftigt ist, können Sie drücken was Sie wollen, und dem PC ist das völlig egal. Im Automobilbereich ist die sofortige Reaktion auf externe Einflüsse aber von immanenter Wichtigkeit – es wäre blöd, wenn man den Lichtschalter betätigt, das Abblendlicht sich dann aber fünf oder zehn Sekunden Zeit lässt, weil gerade ein Virenupdate läuft.

WEA 7 basiert nach Microsoft-Informationen auf Windows Embedded Compact 7, das wiederum von Windows Embedded CE abstammt. Damit ist es ein entfernter Verwandter des aktuellen Windows Phone – aber natürlich viel besser.

Im Prinzip soll mit WEA 7 die gesamte Elektronik im Fahrzeug durch eine einzige Kommando-Einheit abgelöst werden. Diese kümmert sich um die Kommunikation (u.a. Handy, mobiles Internet und Navigation) genauso wie um die Audiowiedergabe und die Schnittstelle zum Fahrer, die mit Spracherkennung und -ausgabe TellMe, aber auch einem Touchscreen aufwartet. Die grafische Darstellung auf dem Bildschirm erfolgt über den aktuellen Browser Silverlight.

Im Gegensatz zu früheren Versionen soll WEA 7 besonders schnell sein: Mit einer Minimaloberfläche braucht ein solches Gerät zum einschalten nur 1,4 Sekunden und bis zur völligen Funktionalität etwa 5 Sekunden.

Microsoft hat in diesem Marktbereich bisher nur sehr wenig Erfolg. Das als Echtzeitbetriebssystem proklamierte Windows CE Embedded konnte die hineingesteckten Erwartungen nicht erfüllen, so dass WEA 7 nur von wenigen Automobilherstellern verwendet wird. Aktuell sind das Fiat, Ford, Kia und Nissan, vier eher nicht so sehr erfolgreiche Marken.

Der wichtigste Mitbewerber gerade im Automobilsektor ist QNX mit seinem Neutrino-Betriebssystem, das von den meisten Oberklasse-Herstellern (darunter auch BMW, Audi, Mercedes) verwendet wird. QNX gehörte bis vor kurzem zu Harman-Kardon, wurde aber im April von Research in Motion übernommen, dem Hersteller der Blackberry-Organizer. Dieser präsentierte im September 2010 das Blackberry Playbook, einen Konkurrenten zum Apple iPad. Bis heute ist unklar, ob QNX Neutrino aus dem Automotivemarkt zurückgezogen wird.


Auf der Suche nach noch mehr Einsatzmöglichkeiten: In diesem Nissan steckt Microsoft Embedded Automotive 7