Moralische Bankrotterklärung bei Galileo

Geschrieben am 27 Oktober 2010  von Gerhard Bauer

Am 25. Oktober unterzeichneten in Brüssel die Europäische Weltraumorganisation ESA und die Spaceopal GmbH den Vertrag über den Betrieb der ersten 18 Galileo-Satelliten. Die Spaceopal GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen „DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen mbH“ und der italienischen Telespazio SpA. Die Kosten werden 194 Millionen Euro betragen.

So weit die offizielle Meldung der ESA und der DLR in kurz-prägnanter Form.

Leider fehlen in dieser Pressemeldung ein paar nicht ganz unwichtige Details:

  • 1. Können vorerst nur Verträge für 18 Satelliten abgeschlossen werden, weil der für Galileo genehmigte Etat nur 18 Satelliten hergibt. Vom geplanten Endausbau mit 27 Arbeitssatelliten plus drei auf Umlaufbahnen geparkten Reservesatelliten ist Galileo weit entfernt.
  • 2. Die ESA wird finanziert u.a. von der DLR. Die DLR schickt also Geld an die ESA, die das wiederum an die GfR ausschüttet. Das bedeutet, dass die DLR vor ziemlich genau zwei Jahren mit der GfR ein Unternehmen aufgemacht hat, mit dem man EU-Gelder wieder nach Deutschland holen will.
  • 3. Es gab keinen Mitbewerber: Der Betrieb der Satelliten kann sinnvoll und halbwegs wirtschaftlich nur durch die Unternehmen erfolgen, die auch für die Bodenstationen zuständig sind, und das sind eben die DLR und die Telespazio. „Besitzer“ der GfR ist der deutsche Staat und der größte Anteilseigner der Telespazio ist über den Mutterkonzern Finmeccanica der italienische Staat.

Weitere Berichte über Galileo finden Sie hier:

13.03.2010: Das Geld reicht nicht für den geplanten Galileo-Endausbau
21.09.2010: Verzögerungen bei Galileo
21.04.2008: Die Wahrheit über Galileo: Nicht leistungsfähiger als GPS! (PDF)

Fürs Protokoll der aktuelle Planungsstand: Die ersten Satellitenstarts sollen ende 2011 erfolgen. Bis Oktober 2014 sollen alle 18 Satelliten im Orbit „für erste Navigationsdienste“ zur Verfügung stehen.