Schlechte Geschäftszahlen bei Garmin

Geschrieben am 3 November 2010  von Gerhard Bauer

Garmin hat das dritte Quartal 2010 mit sehr enttäuschenden Zahlen abgeschlossen. Der Umsatz in diesem Zeitraum sank von 781 (3. Quartal 2009) auf 692 Millionen $, was einem Minus vom 11 Prozent entspricht. Noch schlimmer ging es dem Automobilbereich, der um 19 Prozent auf 442 Millionen $ sank. Der Outdoor- und Fitness-Bereich stieg um 9 Prozent auf 144 Millionen $, das Flugzeug-Business um 4 Prozent auf relativ bescheidene 60 Millionen $ und der Schifffahrts-Geschäftsbereich stieg um 1 Prozent auf 46 Millionen $. Alle Zuwächse zusammen konnten den enormen Rückgang der Auto-Branche nicht kompensieren, so dass schließlich ein Minus von 11 Prozent blieb. Die Anleger bestrafen diese Zahlen mit einem vorbörslichen Verlust von über 13 Prozent.

Besonders sparsam waren die nordamerikanischen Verbraucher, sie kauften für 18 Prozent weniger Geld Navigationsgeräte von Garmin als im dritten Quartal des Vorjahres: Nur noch 413 Millionen $ konnten in den USA umgesetzt werden. Für den europäischen Markt musste Garmin einen Verlust von 9 Prozent (216 Mio $ statt 237 Mio $) melden, während die Umsätze in Asien von 41 auf 63 Millionen $ zulegen konnten.

Schlechte Geschäftszahlen sind nur der sichtbare Teil des Eisbergs

Das eigentliche Problem ist, dass es Garmin nicht schafft, höherwertige Navigationsgeräte zu entsprechenden Preisen an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Die tatsächlich verkauften Stückzahlen von Garmin sind im dritten Quartal nämlich nur um ein Prozent zurückgegangen. Die Umsatzverluste sind also direkt auf sinkende Verkaufspreise zurückzuführen. Die Mitbewerber konnten das sinkende Preisniveau zumindest teilweise durch besser ausgestattete und damit teurere Navigationsgeräte kompensieren. Bisher gelingt es Garmin aber nicht zufriedenstellend, das hervorragende „Connected Navi“ nüvi 1690 nüLink (ausführlicher Test) und das highendige nüvi 3790T (ausführlicher Test) in entsprechenden Stückzahlen an die Verbraucher zu bringen.

Aus Anwendersicht glänzt Garmin regelmäßig mit guten Ideen, scheitert aber dann an ihrer praktischen Umsetzung. So ist die Fahrzeugerweiterung „ecoRoute HD“ hierzulande nach wie vor nicht lieferbar, weil das Gerät im einigen häufig vorkommenden Fahrzeugen einfach nicht funktioniert. Und der Kraftstoff sparende Routenberechnungsmodus ecoRoute berechnet Routen, die im dicht besiedelten Europa einfach nicht funktionieren. Dafür wurden vor zwei Jahren enorme Marketinggelder verbraten mit TV-Spots zur PhotoNavigation, die in Wirklichkeit enorm weit an den Anforderungen der Anwender vorbei geht: Kein Mensch lädt sich georeferenzierte Fotos aus dem Internet, überträgt diese auf das Navi und fährt dann dort hin.

Punkten sollte Garmin mit der tatsächlich einzigartigen Photo Real 3D-Kreuzungsansicht, die ab 15. November starten soll. Hier werden Autobahnkreuze und -ausfahrten mit nachbearbeiteten Digitalfotos dargestellt, was die sonst üblichen „Real View“-Ansichten ganz schön alt aussehen lässt.

Die Photo Real 3D-Kreuzungsansicht: Diese Ausfahrt (A99, Fahrtrichtung Salzburg, Anschlussstelle Ottobrunn) sieht in der Realität wirklich genauso aus wie auf diesem Bild.