TomTom: Verzögerungen bei MyTomTom

Geschrieben am 16 November 2010  von Gerhard Bauer

TomTom verkauft seit knapp einem Monat die ersten Go Live 1000 und seit wenigen Tagen die Modelle Go Live 1005 sowie die Via- und Via-Live-Baureihen. Alle benötigen für die Kommunikation mit einem PC die neu entwickelte MyTomTom-Software. Nur damit soll es möglich sein, Updates der digitalen Landkarten und der eigentlichen Navigationssoftware (die bei TomTom Navcore heisst und mittlerweile in der Version 10.022… vorliegt) aus dem Internet zu beziehen und auf das Navi zu kopieren. Auch Funktionen zum Sichern und Wiederherstellen der kompletten Navi-Software und zum Kopieren eigener oder aus dem Internet bezogener Sonderziel-Sammlungen auf das Gerät werden aktuell schmerzlich vermisst.

In einer Internetkonferenz erklärten John Blackett (Vice President Product Marketing), Mark Gretton (Chief Technology Officer bei TomTom) und Sean Fernback (Senior Vice President Product Development) die aktuelle Situation der tatsächlich noch sehr unbefriedigenden MyTomTom-Software.

Das grundsätzliche Problem ist, dass TomTom das Dateisystem der neuen Navigationsgeräte verschlüsselt und damit gegen normale Zugriffe vom PC aus schützt. Offiziell weil man sich gegen unbefugte Nutzung der digitalen Landkarten schützen möchte, inoffiziell spielt aber sicher auch der beabsichtigte TomTom-App-Store eine Rolle: Hier möchte TomTom Zusatzanwendungen von Dritten vermarkten, was aber natürlich völlig unmöglich ist, wenn man die einzelnen Endgeräte nicht gegen unbefugtes Kopieren der Anwendungen schützt. Die im Internet an einigen Stellen anzutreffende Verschwörungstheorie, dass TomTom aufgrund von Microsoft-Patenten zur FAT das Dateisystem wechseln musste, sind Unsinn: Es hätte wesentlich einfacher zu verwendende Alternativen gegeben als das jetzt verwendete System mit seiner aktiven Verschlüsselung.

Das einzige, was die PC-Navi-Verwaltungssoftware MyTomTom aktuell kann, ist zu melden 'Ihr Navigationsgerät ist auf dem neuesten Stand'.

Weil die Dateisysteme aller neuen TomToms verschlüsselt sind, hat TomTom eine neue PC-Software für die Kommunikation mit dem Navi entwickelt, die noch dazu browserbasiert auf jedem Computer mit Internet- und USB-Anschluss laufen soll, also auch auf Macs oder Linux-Rechnern. Die Programmierung von MyTomTom ist aber anscheinend weit anspruchsvoller als erwartet, denn momentan sieht es so aus, als ob alle Funktionen, die man von der alten PC-Software TomTom Home kennt, erst im Sommer 2011 in MyTomTom zur Verfügung stehen würden.

Der genaue Zeitplan sieht vor, dass die Latest Map Garantie und auch die mehr oder weniger nützlichen Blitzerwarner erst Ende 2010 realisiert werden können. Damit kein Besitzer eines neuen TomTom-Navis seinen Anspruch auf die beim Kauf aktuellste digitale Landkarte verliert, wurde die Latest-Map-Garantie für diese Gruppe von 30 Tagen auf 90 Tage verlängert. Ab Ende 2010 sollen laut TomTom auch die ersten Aktualisierungen der Navcore-Navigationssoftware für die Go-Baureihe durchgeführt werden können. Scheinbar hat TomTom schon korrekturwürdige Fehler entdeckt, deren Behebung aktuell noch an den Unzulänglichkeiten von MyTomTom scheitert.

Sonderzieldatenbanken aus eigener Hand oder aus dem Internet soll man ab Ende Januar 2011 in die TomTom-Navis integrieren können. TomTom beabsichtigt dazu die Realisierung einer Drag-&-Drop-Lösung, bei der man die entsprechenden Dateien einfach in ein Browserfenster zieht, MyTomTom soll dann den Rest machen.

Erst Ende des ersten Quartals 2011 will TomTom die Kartenkorrekturfunktion Mapshare auch für die neuen Gerätebaureihen realisieren, und voll vergleichbar mit den Fähigkeiten des heutigen TomTom Home wird MyTomTom erst Ende des zweiten Quartals 2011. Das würde aber bedeuten, dass man erst ab diesem Zeitpunkt zusätzliche Landkarten hinzufügen kann, was sicher dem einen oder anderen USA- oder Sonstwo-Urlauber nicht gefallen dürfte.

Die hier wiedergegebenen Informationen einschließlich der Termine beruhen auf Informationen der drei eingangs genannten TomTom-Mitarbeiter aus einer Telefonkonferenz mit Pressevertretern. Unter Umständen könnte es sinnvoll sein, eventuell mittlere bis große Verspätungen von ein oder zwei Quartalen einzukalkulieren.