Drei Glonass-Navi-Satelliten abgestürzt

Geschrieben am 6 Dezember 2010  von Gerhard Bauer

Am Sonntag, den 5.12.2010, sind gegen 11.25 Uhr Mitteleuropäischer Zeit drei sowjetische Glonass-Navigationssatelliten beim Start abgestürzt. Die drei Satelliten sollten mit einer Proton-M-Rakete vom russischen Startplatz in Baikonur auf eine Umlaufbahn gebracht werden. Nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen soll die oberste Stufe der Rakete wegen eines Softwarefehlers nicht korrekt gezündet haben, weswegen die drei Glonass-Satelliten nach einer Bahnabweichung von 8 Grad schließlich 1500 km nordwestlich von Hawaii in den Pazifik gestürzt sind. Der Schaden soll 340 Millionen Euro betragen.

Der Verlust von gleich drei Satelliten gefährde den Zeitplan, noch im Jahr 2010 das Netz aus 24 einsatzbereiten Satelliten in Erdumlaufbahnen zu haben, mache ihn aber nicht unmöglich: Dazu müssten nur zwei bereits im All befindliche Reserve-Satelliten in den aktiven Dienst übernommen werden, außerdem will man einen experimentellen Satelliten der Baureihe Glonass-K ins All bringen.

Eventuell gibt dieser Absturz den Galileo-Verantwortlichen zu denken: Denn nach wie vor ist angedacht, dass je nach Raketengröße zwei oder vier Galileo-Satelliten mit einer einzigen Rakete in den Orbit gebracht werden sollen. An die Folgen eines Absturzes hat scheinbar bisher niemand gedacht. Hier sind weniger die finanziellen Folgen (dafür gibt es Versicherungen) problematisch als vielmehr die potentiellen Ausfälle, denn Galileo-Satelliten werden in Handarbeit hergestellt. Und wenn die „Ausbeute“ eines halben Jahres mit einer einzigen Rakete verschrottet werden, kann man nicht so einfach die Ressourcen bereitstellen, um diesen Verlust wieder aufzuholen.

Die auf 5 Minuten aktuelle Abdeckung der russischen Glonas-Satelliten finden Sie hier.

Die Abdeckung durch die Glonass-Satelliten ist derzeit noch lückenhaft. Hier ein Bild der PDOP, des Positionsfehlers durch ungünstig positionierte oder fehlende Satelliten. Umso dunkler ein Gebiet, desto schlechter oder ungenauer ist dort der Glonass-Empfang. (Klicken zum Vergrößern.)