TomTom: HD-Traffic eingeschränkt

Geschrieben am 22 Dezember 2010  von Gerhard Bauer

Der Navi-Hersteller TomTom musste aufgrund der Vielzahl von Verkehrsmeldungen, die in den letzten Tagen witteriungsbedingt übertragen werden müssten, den Radius der HD-Traffic-Verkehrsinformationen eingeschränkt. Bisher empfing ein TomTom-Navi mit aktivem Live-Modul Verkehrsinfos in einem Radius von etwa 200 bis 250 Kilometern. Aufgrund der Vielzahl von Staus und Behinderungen wurde der Radius auf 80 Kilometer beschränkt.

Zitat der Presseabteilung von TomTom: TomTom wird HD Traffic auf den PNDs mit dem verkleinerten Radius in der aktuellen Ausnahmesituation genau beobachten und dann entscheiden, ob es sinnvoll ist, den Radius wieder zu erweitern oder aus Gründen der Verarbeitung der HD-Traffic-Meldungen den Radius bei der nun eingeschränkten Reichweite zu belassen. Eine finale Entscheidung gibt es dazu nicht.

Das zeigt ein grundlegendes Problem der Live-Dienste bzw. von HD Traffic: Während in Norddeutschland ein Schneemobil eine ernsthaft zu überlegende Alternative zum Auto ist, wäre man in Baden-Württemberg oder in Bayern für etwas Schnee ganz dankbar. Nun kann man argumentieren, dass ein Verkehrsinfo-Radius von 80 Kilometern unter den aktuellen Verkehrskonditionen ausreicht, weil man sowieso eine bis zwei Stunden für diese Distanz braucht, und da kann sich viel ändern. Im Süden Deutschlands kann man auf der Autobahn die 80 Kilometer in einer halben Stunde zurücklegen. Wenn sich das Navi dann verplant und Vollsperren der Autobahn nicht berücksichtigt, weil diese beim Fahrtantritt außerhalb des 80-km-Radius liegt, ist das mehr als ärgerlich. Das ist einfach nur dumm.

Vielleicht nimmt TomTom diesen Fehler als Anlass, endlich die Übertragung von Verkehrsmeldungen innerhalb eines Korridors einzuführen: Für eine Route von beispielsweise München nach Hannover sind alle Meldungen, die 200 oder auch 80 Kilometer abseits dieser Strecke liegen, überflüssig und belanglos. Stattdessen würde es Sinn machen, die Verkehrsinformationen in einem Korridor von vielleicht 50 Kilometern um die komplette Route zu übertragen und gegebenenfalls zu berücksichtigen, auch wenn sie beim Fahrtbeginn noch weit entfernt sind. Natürlich müssten diese Verkehrsinformationen unterschiedlich gewichtet werden: Auf dem Weg von München nach Hannover braucht man bei der Abfahrt einen kleinen Stau wegen eines defekten PKW auf der Höhe Kassel noch nicht berücksichtigen. Vollständig gesperrte „Kasseler Berge“ auf der A7 wegen querstehender LKW müssen aber auf alle Fälle berücksichtigt werden, damit man gegebenenfalls eine großräumige Umfahrung wählen kann.

Diese Beispiele kann man beliebig fortführen:
Sie wollen von München nach Frankfurt. Die angenommene Komplettsperrung der A3 gleich westlich von Nürnberg wird bei der Abfahrt noch nicht berücksichtigt, sondern erst, wenn Sie schon den halben Weg nach Nürnberg hinter sich haben. Dabei hätten Sie so leicht, einfach und schnell über die A8 und die A7 via Ulm fahren können.
Oder Sie wollen nach Italien. Der Weg über den Brenner und die Tauernstrecke sind für viele Ziele in Oberitalien, beispielsweise Venedig, praktisch gleich lang. Wenn aber der Brenner dicht ist, sollten Sie und Ihr Navi sich schon in Bayern für die östliche Route über die Tauern entscheiden und nicht erst 80 Kilometer vor dem Brenner auf Höhe Innsbruck. Dazu müssen solche Daten natürlich übertragen werden.

Etwas berunruhigend finden wir, dass TomTom nach eigenen Angaben erst entscheiden muss, ob der Radius wieder erweitert wird, denn mit der reduzierten Abdeckung ist HD-Traffic, das wichtigste Kaufargument der TomTom-Navis, nicht mal die Hälfte wert.

Die Verkehrsstörungen in HD Traffic werden derzeit nur in einem Radius von etwa 80 Kilometern an die Live-Geräte übertragen. Das reicht für Anwender, die sich nur in der Stadt bewegen. Für Navi-Besitzer, die häufig weitere Strecken fahren müssen, ist HD Traffic in dieser Form nicht mehr geeignet.