Galileo-Testumgebung eröffnet

Geschrieben am 4 Februar 2011  von Gerhard Bauer

Heute hat Bundesverkehrsminister Ramsauer im Rahmen eines für die lokalen Tageszeitungen veranstalteten Events die Galileo-Testumgebung in Berchtesgaden (südöstliche Ecke von Bayern) „freigegeben“. Das ist relativ bemerkenswert, weil die Galileo-Testumgebung mit dem prägnanten Namen „Gate“ bereits zum August 2008 ihren regulären Betrieb aufgenommen hat. Im Oktober 2008 beauftragte die Deutsche Agentur für Luft- und Raumfahrt dann den Betreiber, das Gate zu modernisieren. Nach einer über einjährigen Umrüstphase wurde die Testumgebung bereits am 1. November 2009 wieder in Betrieb genommen. Damit in Berchtesgaden der (theoretisch unbegründete) Groll auf die Sendestationen nicht noch mehr wächst, durfte heute Herr Dr. Ramsauer die Testumgebung offiziell in Betrieb nehmen.

Das Gate ist ein Talkessel, in dessen Mitte der Ort Berchtesgaden liegt. Dieser Talkessel ist fast komplett umgeben von Bergen, auf denen mittlerweile acht Sendecontainer installiert wurden. Diese Sendevorrichtungen imitieren die späteren Galileo-Satelliten: Sie senden mehr oder weniger originalgetreue Galileo-Signale aus, mit deren Hilfe Chipsatz-Hersteller ihre Prototypen von Galileo-Empfängern innerhalb eines 25 Quadratkilometer großen Kerngebiets ausprobieren können.

Die Tests sind allerdings nicht so einfach, wie man sich das vorstellt: Es kann immer nur ein einziger Galileo-Empfänger im Gate unterwegs sein, wenn er wirklich realistische „Satelliten-Signale“ empfangen will: Im sogenannten Virtual Satellite Mode „empfängt der Nutzer ein Signal, das sich nciht von einem echten Satellitensignal des Galileo Open Service unterscheidet. Die erzeugten Signale werden auf die aktuelle Empfängerposition abgestimmt. [In diesem Modus] kann zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils nur ein einziger Nutzer einen Versuch durchführen.“

Das sind keine Unzulänglichkeiten des Berchtesgadener Gates, sondern aller deutschen Entwicklungsumgebungen. „Gates“ gibt es mittlerweile mehrere in Deutschland, Berchtesgaden ist also nicht so exklusiv wie die zahlreichen Pressemeldungen rund um die feierliche Eröffnung glauben machen möchten: Das SeaGate in Rostock dient zur Evaluierung von Anwendungen für die Schifffahrt, das AvigationGate am Forschungsflughafen Braunschweig soll beim Testen von Flugzeuganwendungen helfen und bei Aachen liegen das RailGate für den Schienenverkehr und das AutomotiveGate für den Autoverkehr.

Auch die Fachwelt zweifelt mittlerweile am Sinn eines EU-eigenen Galileo-Projekts. In informierten Kreisen munkelt man bereits, dass die Europäische Kommission bereits einen Weg sucht, das Megaprojekt ohne Gesichtsverlust einzustellen.

Die Gate-Testsender sind entweder solche einsam stehenden Container, oder sie werden an bzw. in bestehende Gebäude gebaut.