CeBIT 2011: Nur noch belanglos

Geschrieben am 8 Februar 2011  von Gerhard Bauer

Für Navi-Interessenten gibt’s auf der diesjährigen CeBIT 2011 nichts neues zu sehen. Leider gibt’s auch nicht mal was altes, denn die vier großen Hersteller TomTom, Garmin, Navigon und United Navigation bleiben der Messe wie im Vorjahr fern. Der „Rest der Navi-Branche“ findet sich dieses Mal ein in der Halle 7 am Ostrand des Messegeländes. Dieser Rest ist aber mehr als kümmerlich:

Am bekanntesten dürfte noch PTV sein, ein Karlsruher Unternehmen für professionelle Navigation und Logistik, das sich in erster Linie an die Betreiber großer LKW-Flotten wendet. (Stand A12)
Wie in den Vorjahren findet man auf einem großen Gemeinschaftsstand (A18) unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die TU Braunschweig und ein paar andere institutionelle Aussteller, die eigentlich weder irgendeine neue Lösung noch irgendein anderes Produkt vorstellen. Stattdessen werden die deutschen Anteile am europäischen Galileo-Projekt würdig herausgestellt. (Achtung, Ironie.)
Baros zeigt auf Stand B26 seine a-rival-Navigationsgeräte.
Herbert Richter Autohalterungen aus Pforzheim lässt sich die CeBIT natürlich ebenfalls nicht entgehen. Dieses Unternehmen, das noch als einer der wenigen wirklich interessanten Aussteller bezeichnet werden darf, zeigt auf Stand C18 seine aktuelle Produkte.
Navkon ist ein Hersteller von LKW-Navigations- und -Flottenmanagementsystemen. Für Besucher mit entsprechendem Interessenschwerpunkt dürfte sich der Besuch sicher lohnen. (C20)
Die Motorradfahrer unter den Navi-Besitzern schauen sicher auch auf C23 vorbei: Hier residiert RAM Mount und präsentiert seine ultrarobusten Navihalterungen.
Nicht weit von HR entfernt findet man den einzigen relevanten Mitbewerber für Auto-Nachrüsthalterungen für Navi, Handy, Funkgerät und allem anderen: Der schwedische Hersteller Brodit präsentiert seine Produkte auf Stand C35.
Alle professionellen Vermesser finden sich beim amerikanischen Hersteller Trimble wieder, auf Stand D26.

Wie gesagt: Kein TomTom, Garmin, Navigon oder United Navigation (Falk, Becker), auch kein Tele Atlas oder Navteq. Für diese Unternehmen ist die CeBIT – wie schon in den Vorjahren – nicht mehr interessant. Während im Vorjahr aber noch TomTom Work vertreten war, kommt die Profi-Sparte des niederländischen Herstellers (mittlerweile umbenannt in TomTom Bsuiness Solutions) auch nicht mehr nach Hannover. Die Gründe für die Verweigerungshaltung der Hersteller haben wir bereits im letzten Jahr diskutiert.

Mittlerweile stellt sich raus, dass die einzigen, die von der Wirtschaftskrise der letzten Jahre nachhaltig gebeutelt werden, die Darstellungs-Dienstleister sind: Das beginnt bei den Computerzeitschriften und endet bei den Messeveranstaltern.
Die Auflagen bei den Computerzeitschriften sind im Schnitt um 12 Prozent gesunken, was angesichts der typischen Aufmacher-Artikel („Der beste Windows-Turbo aller Zeiten / Nie wieder Datenverlust / Schnell und sicher kopieren / Windows 7 reparieren – jetzt doch möglich“) nun weiß Gott niemand wundern dürfte. Noch problematischer ist aber, dass die meisten Hard- und Softwarehersteller in der Krise ihre Marketingaugaben für Druckwerbung zunächst drastisch reduzierten, dann aber merkten, dass sich ihre Produkte auch so verkaufen. Die Folge: Die Anzeigenerlöse sind noch viel stärker gesunken als die Verkaufszahlen. Wundern Sie sich nicht, wenn im Mai, Juni oder Juli eine ganze Reihe von IT-Zeitschriften eingestellt wird.
Aber auch die Messeveranstalter haben den Trend, dass man sich rund um die Uhr per Internet über die Fähigkeiten von Waren und Dienstleistungen informieren kann, völlig verschlafen. Rudimentäre Versuche der CeBIT-Veranstalter, einen Markt- oder Ausstellungsplatz im Internet zu etablieren, wurden von den eigenen Chefs torpediert, weil sie darin einen Versuch der Selbstkanibalisierung sahen: Kann ja nicht angehen, dass diese Internetfritzen uns das Geschäft mit „echten“ Ausstellern streitig machen wollen.

Tatsächlich von den Navi-Herstellern besuchte Messen sind der in Barcelona stattfindende Mobile World Congress (die Fachmesse für die Mobilfunkbrache, 14. bis 17. Februar 2011) und die jährliche Internationale Funkausstellung IFA in Berlin (2. bis 7. September 2011).