TomTom: Mittelmäßiges 2010

Geschrieben am 18 Februar 2011  von Gerhard Bauer

Bestenfalls die Note 3 würde TomTom im Zeugnis stehen haben für das Geschäftsjahr 2010. Der Umsatz stieg um 3 Prozent auf 1521 Millionen Euro und nach drastischen Sparmaßnahmen stieg auch das Nettoergebnis für das Geschäftsjahr auf 108 Millionen Euro. Trotzdem hätte das Geschäftsjahr wesentlich besser verlaufen können, wenn der niederländische Hersteller den miserabel durchgeführten Generationswechsel der Baureihe Go x50 auf die aktuellen Go 100x besser hinbekommen hätte. Verzögerungen bei der Realisierung der Live-Dienste sorgten für Verunsicherung oder Verärgerung der Kunden.

Der Umsatz im Geschäftsjahr 2010 stieg von 1479 Millionen Euro auf 1521 Millionen Euro. Das ist ein Zuwachs von 2,8 Prozent, also nichts, auf das man besonders stolz sein könnte. „Erkauft“ wurde dieser Zuwachs mit überproportional angestiegenen Fertigungskosten, so dass von den Zuwächsen nur minimale Reste übrig blieben. Deutlich gesteigert wurden aber die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, hier gaben die Niederländer nach 139 Millionen im Vorjahr 161 Millionen aus. Dies ist zurückzuführen auf die neue Softwareplattform, die mit den Via- und den neuen Go-Modellen eingeführt wurde. Anhängig von den Markteinführungen wurden auch die Marketingausgaben von 86 auf 104 Millionen Euro gesteigert.

Eher auf das Versagen von Mitbewerbern als auf die eigene Stärke zurückführen darf man die gestiegenen Marktanteile von TomTom im vierten Quartal: In Europa tragen mittlerweile 49 Prozent aller verkauften Navigationsgeräte das TomTom-Logo. In ganz Europa konnten im vierten Quartal 2010 aber nur noch 3,5 Millionen Navis abgesetzt werden, so dass die absoluten Stückzahlen deutlich gesunken sind. Steigern konnte sich der amerikanische Markt: In den USA und in Kanada wurden im gleichen Zeitraum 6,5 Millionen Navis verkauft, wovon TomTom 32 Prozent liefern durfte. TomTom gibt selbst zu, sich bei der Prognose der Verkaufszahlen verschätzt zu haben. Gerechnet hätte man eigentlich mit einer deutlich höheren Zahl von verkauften Navigationsgeräten.

Trotz einer deutlich mehr im Markt befindlichen Navis mit Onlineanschluss konnten die Einnahmen für „Content & Services“ nur minimal von 85 auf 98 Millionen Euro (jeweils viertes Quartal 2009 und 2010) gesteigert werden. Dafür dürfte in erster Linie die Halbierung der Endverbraucherkosten von etwa 100 Euro auf knapp 50 Euro pro Jahr verantwortlich sein, die aber durch den Konkurrenzdruck nötig wurde. Die Umsätze im Consumerbereich sanken von 448 Millionen auf 406 Millionen (4. Quartal 2009 / 4. Quartal 2010), obwohl die Kunden der höherpreisigen Geräte extra auf das vierte Quartal warten mussten, bis sie die neuen Live-Modelle kaufen durften. Von 36 auf 55 Millionen Euro stiegen die Umsätze im Automotive-Bereich, also vor allem bei den Festeinbauten für Fiat, Renault und andere Marken. Das Lizenzgeschäft konnte ebenfalls auf niedrigem Niveau von 35 auf 39 Millionen wachsen, und die Business Solutions (ehemals TomTom Work) erlöste 16 Millionen Euro nach 14 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Beantwortet wurden die schlechten Geschäftszahlen mit einem deutlichen Einbruch des TomTom-Werts an der Börse: In Amsterdam sank der Preis für einen 221 Millionstel Geschäftsanteil von 7,30 Euro auf 6,75 Euro. Weitere Kursverluste dürften sehr wahrscheinlich sein.

Update vom 21.2.2011: Mittlerweile liegt der Kurs bei 6,23 Euro, womit die TomTom-Aktien insgesamt fast 15 % verloren hat.