Garmin 2010: Europa stabil, USA mies

Geschrieben am 23 Februar 2011  von Gerhard Bauer

Besser als Mitbewerber TomTom hat Garmin das Geschäftsjahr 2010 abgeschlossen. Nachdem alle Navi-Hersteller 2010 arg gebeutelt wurden, hat die Aufteilung auf mehrere völlig verschiedene Geschäftsbereiche den amerikanischen Hersteller gerettet. Insbesondere die frühe Einführung und jetzt entsprechend große Erfahrung bei Trainings-GPS-Geräten für Sportler stellt sich mittlerweile als Segen dar.

Der Umsatz bei den Autonavis sank im vierten Quartal um 31 Prozent auf 406 Millionen Euro (alle Dollar-Angaben wurden zum heutigen Kurs in Euro umgerechnet) im Vergleich zum Vorjahr. Damit kommt der Geschäftsbereich für das Gesamtjahr 2010 auf einen Rückgang von 19 Prozent auf 1225 Millionen Euro.
Das Quartal war für ziemlich genau ein Drittel des Jahresumsatzes verantwortlich, was per se nicht schlecht ist. In den Vorjahren liefen die Geschäfte zum Jahresende aber wesentlich besser, was sich am Rückgang um die angesprochenen 31 Prozent ablesen lässt.

Wachsen konnte dagegen das Fitnesssegment: Hier stiegen die Umsätze um 15 Prozent auf 125 Millionen Euro im Quartal. Auf das Jahr umgelegt ist der Anstieg noch größer: Die Umsätze stiegen um 19 Prozent auf 411 Millionen Euro. Bemerkenswert: Trotz wesentlich niedrigerer Stückzahlen macht Garmin mit den „Sportlergeräten“ ein Drittel des Straßennavi-Umsatzes.

Die Flugzeug-Modelle von Garmin stiegen um 10 Prozent auf 52 Millionen Euro im Quartal beziehungsweise 7 Prozent auf 193 Millionen Euro im gesamten Jahr. Hier war also zum Jahresende noch eine Steigerung drin.

Die Schiffahrts-Abteilung von Garmin konnte ebenfalls zulegen: Im vierten Quartal stiegen die Umsätze um 9 Prozent auf 27 Millionen Euro, im ganzen Jahr 2010 um 12 Prozent auf 146 Millionen Euro. Hier ist ganz klar ablesbar, dass im Sommer mehr Schifffahrts-Equipment verkauft wurde, was sogar nautisch unerfahrene Marktbeobachter verstehen sollten.

Wie schon bei TomTom war das vierte Quartal besonders im nordamerikanischen Markt eine völlige Pleite: Der Umsatz in Nordamerika ging – verglichen mit dem Vorjahreszeitraum – um 30 Prozent zurück, während der Umsatz in Europa nur um 4 Prozent sank. Das wird bestätigt durch Aussagen von Navi-Zulieferern, die für den amerikanischen Autonavi-Markt in den nächsten 12 Monaten einen völligen Zusammenbruch sehen. Der europäische Markt ist bei solchen Entwicklungen regelmäßig um ein oder zwei Jahre hinterher. Sollten sich diese düsteren Prognosen also bewahrheiten, können sich MediaMarkt und Co. schon überlegen, was sie auf den Navi-Ausstellungsflächen künftig anbieten werden.

Der Gesamtumsatz in Nordamerika 2010 betrug 1210 Millionen Euro (- 17 Prozent), in Europa 604 Millionen Euro (+/- 0 Prozent) und in Asien 161 Millionen Euro (+ 47 Prozent).

Die Börse nimmt Garmin die durchwachsenen Geschäftszahlen nicht übel. Es hat den Anschein, dass die Investoren verstanden haben, dass der Navi-Boom der letzten Jahre nun endgültig vorbei ist. Nachdem bereits einen Tag vor der Bekanntgabe der Geschäftszahlen erste Informationen durchgesickert sind, ist der Aktienkurs von knapp 33 US-Dollar auf etwa 32 US-Dollar gesunken, aktuell sieht es aber so aus, dass sich der Kurs wieder erholt. Für das Jahr 2011 prognostiziert Garmin einen Gewinn pro Aktie von 2,20 bis 2,50 US-Dollar. Bei einem heutigen Kurs von 33,00 US-Dollar hat sich also das Investment nach 12 bis 15 Jahren komplett abbezahlt, was ein sehr gesundes Kurs-Gewinn-Verhältnis darstellt.