Unfallnotruf via Copilot

Geschrieben am 21 April 2011  von Gerhard Bauer

Schlagzeilen wie „Verunfallter Fahrer erst nach Stunden entdeckt“ oder „Fahrzeugwrack nur zufällig gefunden“ liest man regelmäßig in der Zeitung. Auch ungenaue Ortsangaben bedingen manchmal erhebliche Zeitverzögerungen bei der Rettung. Die Versicherungskammer Bayern führt nun zusammen mit ihren Tochterunternehmen den Copilot ein: Eine kleine Elektronikbox wird irgendwo im Auto eingebaut und mit Antennen für GPRS und GPS verbunden. Registrieren die in die Box eingebauten Sensoren einen Unfall, wird automatisch ein elektronischer Notruf an eine eigene Leitstelle gesendet. Diese alarmiert dann ihrerseits die jeweils zuständige Rettungsleitstelle. Weil die Geräte registriert sind, erfährt die Leitstelle auch Infos zum Fahrzeugtyp etc., um den Rettungskräften die Suche einfacher zu machen. Laut einer Pressemeldung des Anbieters kann das Gerät sogar die vorherige Fahrtrichtung des Unfallfahrzeugs melden, was insbesondere für Ereignisse auf Autobahnen extrem wichtig ist. Bei einem Unfall ohne aktuelle GPS-Verbindung, beispielsweise in einem Tunnel, übermittelt das Gerät die letzte bekannte Position.
Bei einem kleinen Unfall wird vor dem Verständigen der Rettungsleitstellen versucht, den Fahrer per Handy zu erreichen.

Kunden der Versicherungskammer Bayern erhalten den Copilot beim Abschluss einer neuen zu einer bereits bestehenden Kfz-Versicherung für 9,90 Euro pro Monat bei einem dreijährigen Vertrag.

Zusatzwert: Fahrzeugortung

Auch wenn das Fahrzeug gestohlen wird, hilft der Copilot weiter. Nach der Anzeige des Diebstahls bei der Polizei kann die Copilot-Leitstelle das Fahrzeug orten. Zur exakten Abdeckung macht der Anbieter keine exakten Infos, schreibt aber „natürlich kommt der Notruf aber auch bei einem Unfall in anderen EU-Ländern bei der Notfallzentrale an“.

Für den Einbau stehen etwa 300 Fachwerkstätten in ganz Deutschland (u.a. alle Bosch-Dienste) oder ein mobiler Einbaupartner zur Verfügung. Erhältlich ist der Copilot bei allen bayerischen Sparkassen sowie bei Agenturen oder Geschäftsstellen der Versicherungskammer Bayern und bei einigen Genossenschaftsbanken. Alternativ nutzt man die Internetadresse www.vkb.de/meincopilot.

Unter der Bezeichnung „Copilot“ vertreibt der amerikanische Anbieter ALK Technologies auch ein Navigationssystem und -software. Die Produkte haben mit dem Copilot-System nichts zu tun. Vielleicht fürchtet die Versicherungskammer Bayern Copyright-Probleme, denn an einigen Stellen wird das Copilot-Gerät auch „MeinCopilot“ genannt.


Der Copilot ist nur etwas größer als eine Zigarettenschachtel. Er wird irgendwo im Fahrzeug versteckt eingebaut.


Die Funktionsweise ist ganz einfach: Das Gerät bemerkt mit eingebauten Sensoren und schickt die GPS- bzw. Standort-Informationen der letzten 60 Sekunden an eine eigene Notrufzentrale. Diese verständigt dann die jeweils zuständige Rettungsleitstelle und die wiederum den Rettungsdienst. Übertragen lassen sich sogar Daten zur Schwere und Art des Unfalls.