Polizei nutzt HD-Traffic-Daten zum blitzen

Geschrieben am 29 April 2011  von Gerhard Bauer

TomTom sammelt seit Jahren anonymisierte Fahrt-Daten aller Navi-Benutzer. Bei jeder Fahrt mit eingeschaltetem Navi speichert es alle paar Sekunden die aktuelle Geschwindigkeit, Datum und Uhrzeit sowie die exakte Position. Damit erzeugt TomTom eine sehr genaue Karte, wann man wo wie schnell fahren kann – die Grundlage für die IQ-Routes-Technologie, mit der TomTom-Navis tatsächlich bessere Routen berechnen als andere Geräte.

Diese Daten werden auch verkauft. Beispielsweise berichteten wir vor zwei Jahren über einen Aufsteller von Werbeplakaten, der mit IQ-Routes-Daten berechnete, wie viele Autofahrer jeden Tag vorbeifahren und das Plakat sehen können. Aus diesen Daten berechnet dann der Anbieter den Preis für die Werbung.

Die Daten werden aber auch an Behörden weitergegeben. Eigentlich mit der Absicht, dass diese dann das Straßennetz verbessern. Nun ist herausgekommen, dass die niederländische Polizei die Daten ausgewertet hat um herauszufinden, wo die meisten Anwender schneller fahren als erlaubt – damit man dann an diesen Stellen Blitzgeräte aufstellen kann. Dabei wurden natürlich keine bisherigen Geschwindigkeitsübertretungen ausgewertet, das funktioniert mit IQ-Routes-Daten nicht. Aber die Polizei weiß dank der von jedermann käuflichen Daten, wo es sich besonders lohnt, ein Radargerät aufzustellen.

TomTom ist dieser Vorgang so peinlich, dass der CEO Harold Goddijn sofort eine Entschuldigung veröffentlicht hat. TomTom will aber an der Praxis, die IQ-Routes-Daten an Dritte zu verkaufen, festhalten. Deswegen plant TomTom, künftig solche „ungewünschten“ Verwendungen mit lizenzrechtlichen Vorgaben zu verhindern. Dann müsste sich jeder Käufer dieser Daten verpflichten, sie nur für verkehrsplanerische etc. Aufgaben zu verwenden.