Im Memoriam Herbert Richter

Geschrieben am 20 Mai 2011  von Gerhard Bauer

Am frühen Morgen des 12. Mai 2011 verstarb völlig unerwartet der sozial engagierte Pforzheimer Unternehmer Herbert Richter. Er ist den meisten Navi-Anwendern bekannt als Erfinder der Saugnapfhalterungen für die Windschutzscheibe. Er wurde am 14. Juli 1933 als Sohn von Alfred Richter und dessen Gemahlin Hilda Richter geb. Denzle in Pforzheim, als zweites von fünf Kindern geboren. Er besuchte die Nordstadtschule in Pforzheim und wurde mit seiner Familie vor dem Bombenangriff im Februar 1945 nach Neuenbürg ausquartiert. Nach dem Ende des Krieges half er maßgeblich, das Unternehmen seiner Eltern in Neuenbürg aufzubauen.

Herbert Richter, verstorben am 12.5.2011. Er ist den meisten Navi-Anwendern bekannt als Erfinder der Windschutzscheiben-Halterung mit Saugnapf.


Im Jahre 1956 gründete er, unter sehr schweren Bedingungen, sein eigenes Unternehmen in Bad Wildbad. Er besuchte gleichzeitig die höhere Handelsschule in Calw und half bei seinen zukünftigen Schwiegereltern in deren Hotel und Restaurant in Calmbach an Wochenenden aus. Im Jahre 1958 zog er mit seinem Unternehmen nach Büchenbronn um. Zunächst wurden in einem Geschäfts- und Wohngebäude in der damaligen Schwarzwaldstraße und heutigen Waldschulstraße Accessoires für das Auto und den Wohnbereich hergestellt. Im Jahre 1967 übernahm er die Uhrenfabrik seiner Eltern in Neuenbürg. Im Jahre 1974 siedelte er sein Unternehmen in Büchenbronn in der Birkenfelder Straße an. An diesem Standort hatte Herbert Richter in regelmäßigen Zeitabschnitten die Produktionsfläche seines Unternehmens erweitert. Mit der Unterstützung seiner engagierten Mitarbeiter ist es Herbert Richter gelungen, ein führendes Unternehmen seiner Branche aufzubauen. Herbert Richter stammte aus einfachen Verhältnissen, und es war ihm immer ein besonderes Bedürfnis, mit steigendem wirtschaftlichem Erfolg, sich um sozial schwächere Mitmenschen zu kümmern. Sein soziales Engagement, nicht nur innerhalb seines Unternehmens, welches viele behinderte Menschen beschäftigt, wurde mit höchster Anerkennung seitens der Gesellschaft belohnt. Herbert Richter engagierte sich für die Institution „Aktion Sorgenkind“ für die er gemeinsam mit vielen Vereinen und Unterstützern mehr als 1 Million DM an Spenden sammelte. Später, bedingt durch eigene Schicksalsschläge in der Familie und im Freundeskreis, engagierte er sich für die Deutsche Krebshilfe, für die er schon seit Jahren Weihnachtskonzerte mit der „US Army Europa Band and Chorus“ im Congress Centrum Pforzheim organisierte. Sein Engagement galt auch dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“, mit dessen Hilfe er das Grab seines Jugendfreundes auf einem Soldatenfriedhof in der Nähe von Paris fand. Geboren am 14. Juli (dem französischen Nationalfeiertag) und bedingt durch den Kontakt zu französischen Kriegsgefangenen, die er während deren Gefangenschaft als kleiner Junge mit Nahrungsmitteln versorgte, hatte Herbert Richter immer eine besondere Beziehung zu Frankreich verspürt. Für seine Verdienste als kleiner Junge erhielt er nach dem Ende des Krieges von Général de Gaulle das „Croix de Lorraine France Libre“ verliehen. In den folgenden Jahren engagierte sich Herbert Richter für die Völkerverständigung im Besonderen jedoch für die Deutsch-Französische Freundschaft. Als Anerkennung für seine Verdienste wurde er von verschiedenen französischen Organisationen mit diesen Ehrungen bedacht: Ernennung zum „Sous-Officier d’Honneur de 3ème Régiment des Hussards Esterhazy de 1764 – Régiment Franco-Allemand“, Ernennung zum „Offizier des französischen Nationalverdienstordens Croix d’Officier de l’Ordre National du Mérite“ durch den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, „Diplôme d’Honneur No. 25 – Fédération des Associates Franco-Allemande pour l’Europe F.A.F.A.“, „Médaille d’Honneur – Fédération Nationale des Anciens des Forces Françaises en Allemagne et en Autriche“, „Président d’Honneur Allemagne der Fédération Nationale des Anciens des Forces Françaises en Allemagne et en Autriche“, Große Ehrenmedaille „Souvenir Français” – französiche Kriegsgräberfürsorge. Herbert Richter wurde für seine Verdienste in Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und der Bürgermedaille der Stadt Pforzheim geehrt und ausgezeichnet. Er erhielt für seinen unermüdlichen Einsatz von der Deutschen Krebshilfe eine außergewöhnlich seltene Auszeichnung mit der „Dr. Mildred Scheel Medaille in Gold“. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V zeichnete ihn als Dank für seine Unterstützung mit der „Albert-Schweitzer-Medaille Nr. 1 in Gold“ und der „Medaille Nr. 1 in Gold des Bundespräsidenten Theodor Heuss“ aus. Herbert Richter war seiner Heimat überaus verbunden und sich seiner Herkunft stets bewusst und als Mensch mit traditionellen Werten engagierte er sich auch im Ordenskapitel des Bismarckordens innerhalb des Bismarckbundes, dessen Vorsitzender er war. Seine Durchlaucht Fürst von Bismarck, der Urenkel des Reichskanzlers, verlieh Herbert Richter das „Bismarckkreuz in Gold des Bismarckordens“. Herbert Richter machte es Spaß, sich in vielen Bereichen zu engagieren, und er wollte ein Vorbild sein für all die Mitmenschen, die Ähnliches tun könnten. Neben seinem Engagement für sein Unternehmen und verschiedene Organisationen war Herbert Richter auch Mitglied in mehr als 50 Vereinen. Herbert Richter hinterlässt seine Gemahlin Gretel Richter, seinen Sohn Harald mit Familie und seinen Sohn Holger.