Navis: Miserable Verkaufszahlen

Geschrieben am 1 Juli 2011  von Gerhard Bauer

Die Navi-Umsätze in Deutschland sind im ersten Quartal 2011 erneut drastisch zurückgegangen. Nur noch 103 Millionen Euro Umsatz konnten realisiert werden, was einen Rückgang von 16,3 Prozent bedeutet. Im ersten Quartal 2010 waren es noch 123 Millionen Euro und ein Jahr zuvor konnten 166 Millionen Euro umgesetzt werden.

Glücklicherweise konnten die Netto-Durchschnittspreise fast stabil gehalten werden: Der mittlere Verkaufspreis betrug netto 162 Euro, was einem Endkundenpreis von 193 Euro entspricht. 2010 betrug der Endkundenpreis noch 197 Euro und im Jahr zuvor waren es 216 Euro pro Gerät. Schlimmer ist der Rückgang der Verkaufszahlen: Der Markt sank von 740.000 auf 636.000 Stück, 2009 waren es sogar noch 913.000 Geräte.

Ist der Markt für Navis wirklich „voll“? Oder sind die Smartphones mit manchmal sogar komplett kostenlosen Navi-Anwendungen eine übermächtige Konkurrenz? Grundsätzlich müssen die Navi-Hersteller, wenn sie auch nur mittelfristig überleben wollen, sich sofort wesentlich stärker den Apps & Co. zuwenden. Eine App für großzügig kalkulierte 50 Euro erzeugt zwar wesentlich weniger Umsatz als ein Navi-Gerät für 200 Euro, was den Shareholdern der beiden Aktiengesellschaften Garmin und TomTom nicht gefallen wird.

TomTom wird aber in den sauren Apfel beißen müssen, wenn man nicht Ende dieses Jahres um die nackte Existenz kämpfen will. Das völlige Versagen von TomTom bei der Implementierung grundlegender Funktionen in die Dockingsoftware MeinTomTom und von Oberklasse-Funktionen in die Spitzenklasse-Navis der Go-Live-Serie ließ die Fachwelt vermuten, dass sich der niederländische Hersteller voll und ganz auf Smartphone-Software konzentriert. Nach über einem Jahr fehlen aber immer noch Resultate: Für Android gibt’s gar nichts, und auch die Nachfrage rund um das wiedererstarkende Windows Mobile wird von TomTom völlig ignoriert.

Der amerikanische Hersteller Garmin ist wesentlich breiter aufgestellt und man gibt dort gerne zu, dass die Autonavis nicht mehr die Haupteinnahmequelle darstellen: Die Sportlergeräte für Biker und Jogger, Bergsteiger und Wanderer verkaufen sich zwar in weit niedrigeren Stückzahlen, dafür macht Garmin mit ihnen aber weit mehr Gewinn. Die Navigationsgeräte für Boote und Flugzeuge stabilisieren den US-Hersteller zusätzlich. TomTom wird zwar „bald“ das erste Sportler-GPS-Gerät in Deutschland auf den Markt bringen, von nennenswerten Umsätzen und Gewinnen ist man damit aber noch weit entfernt.