Jahresabschluss 2011 bei TomTom und Garmin

Geschrieben am 15 Mai 2012  von Gerhard Bauer

Die beiden Navihersteller TomTom und Garmin haben das Geschäftsjahr 2011 mit sehr unterschiedlichen Resultaten abgeschlossen: Während TomTom einen Umsatzrückgang von 1521 Millionen auf 1273 Millionen Euro verbuchen musste, konnte Garmin einen – wenn auch bescheidenen – Zuwachs von 3 Prozent auf 2144 Millionen Euro verzeichnen.

Die Garmin-Zahlen für 2011 sind durchaus eindrucksvoll: Der gefürchtete Umsatzrückgang im Navi-Bereich konnte die Amerikaner nicht wirklich schrecken, lediglich ein Rückgang von 5 Prozent auf 1235 Millionen Euro fiel an. Dafür hat Garmin weitere Geschäftsbereiche, die den Niederländern von TomTom praktisch völlig fehlen oder wo nur homöopathische Umsätze generiert werden. Im Outdoor-Segment setzte Garmin 282 Millionen Euro um und im Fitnessbereich 231 Millionen Euro. Mit Flugzeugausstattungen setzte Garmin 221 Millionen Euro um und mit Schiffsequipment immerhin noch 172 Millionen Euro.

Sehr interessant sind außerdem die Umsätze nach Ländern: In Nord- und Südamerika verlor Garmin einen Umsatz von 7 Prozent (1199 Mio. Euro), in EMEA (Europe, Mittlerer Osten und Africa) stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 764 Millionen Euro und im asiatisch-pazifischen Raum stiegen die Verkäufe um 13 Prozent auf 193 Millionen Euro.

Garmin wird aufgrund der guten Geschäfte eine Dividende von 45 US-Cent pro Aktie pro Quartal ausschütten zzgl. einer Einmalzahlung von 40 US-Cent pro Aktie im März 2012. Bei TomTom gibt’s keine Dividende, weil mittlerweile alle Überschüsse (so welche da sind) in die Rückzahlung von Darlehen investiert werden müssen.

Auch TomTom hat interessante Angaben in seinen Rechenschaftsbericht „versteckt“. Die Zahl der Live- und HD-Traffic-Anwender hat sich von 2010 auf 2011 mehr als verdoppelt, bewegt sich allerdings trotzdem auf niedrigem Niveau, wenn man die weltweiten Umsätze betrachtet: Nur 1,5 Millionen Anwender nutzen HD-Traffic, was sich die Chefs von TomTom sicher ganz anders vorgestellt haben. Das liegt auch an den nach wie vor extrem unbefriedigenden kostenpflichtigen Abo-Erneuerungen: Nur 25 Prozent verlängern die Live-Dienste, nachdem die initiale kostenfreie Periode abgelaufen ist.

Ein Lichtblick, wenn auch ein noch sehr kleiner, ist der Zuwachs bei den Festeinbauten für diverse Automobilhersteller: 800.000 Systeme konnten an Renault und Co. verkauft werden. Im Schnitt bringt jeder Festeinbau damit 293 Euro Umsatz, wofür man vor kurzem bei den etablierten Festeinbau-Herstellern nicht mal die Europakarte erhielt.

TomTom ist natürlich in Europa besonders stark: 74 Prozent des gesamten Umsatzes wurde hier gemacht, in Nordamerika 20 Prozent und im asiatisch-pazifischen Raum nur 6 Prozent. Für das Jahr 2012 hat TomTom einen Umsatz von 1100 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Der Umsatzrückgang hält also an.