Unlautere Praktiken bei Internetshops

Geschrieben am 16 September 2009  von Gerhard Bauer

Von 29 untersuchten deutschen Elektronik-Internetshops waren 21 rechtlich nicht einwandfrei, wie eine EU-weite Untersuchung ergeben hat. Im Mai prüften EU-weit Sachverständige insgesamt 369 Internetshops in allen EU-Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und Island. 104 der untersuchten Internetseiten wurden aufgrund von Beschwerden von Verbrauchern untersucht, 200 wurden anhand ihrer Bekanntheit ausgewählt, der Rest beruht auf Internetrecherchen der Tester. Grundsätzlich prüfte jedes Land „seine“ Internetshops selbst, in Deutschland war das das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Problembereiche waren unter anderem:

  • Irreführende Werbung über die Rechte der Verbraucher: Falsche oder fehlende Informationen über Rücktrittsrechte sowie falsche Auslegung der gesetzlichen Vorschriften. Überall in der EU darf man Waren innerhalb von 7 Tagen (in Deutschland 14 Tage!) ohne Angabe von Gründen zurückgeben und erhält sein Geld zurück. Gerne wurde diese Info komplett vergessen oder es wurde nur eine Gutschrift für weitere Einkäufe bei dem betreffenden Händler angeboten.
  • Falsche Preisangaben, wie beispielsweise unvollständige Infos über Versandkosten oder fehlende Informationen darüber, dass jede Teillieferung komplette Versandkosten erzeugt. Die Versandkosten müssen grundsätzlich vor dem „in den Warenkorb“-Klick sichtbar sein. In einigen europäischen Ländern ist es wie in den USA üblich, nur Netto-Preise zu nennen, das darf aber auch nicht mehr vorkommen.
  • Fehlende Kontaktdaten zum Händler: Wenn Sie nicht wissen, wo und wie Sie reklamieren können, bringt auch ein großzügiges Rückgaberecht nicht viel.
  • Vermischung verschiedener Rechtsauslegungen: Beispiel: Eine französische Firma unterhält für tschechische Kunden einen Shop in tschechischer Sprache auf einer tschechischen Webseite. Dann unterliegen die Verbraucherrechte natürlich tschechischen Regelungen, was die französische Firma erst lernen musste.

Grundsätzlich werden die in Deutschland ermittelten Verstöße zunächst vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit abgemahnt. Leider ist es dem Bundesamt nicht möglich, die ertappten deutschen Internetshops öffentlich zu nennen. Nur Island und Lettland veröffentlichen alle Namen und Norwegen einen Teil.