Nokia will Here Maps verkaufen

Geschrieben am 11 April 2015  von Gerhard Bauer

Nokia möchte das beim Mutterkonzern verbliebene Karten- und Traffic-Business verkaufen. Seit dem Verkauf des Smartphone-Geschäfts an Microsoft bietet Nokia nur noch Infrastruktur für Telekommunikationsnetze an – und das, was 2007 mit der Übernahme von Navteq und 2009 mit T-Systems Traffic in die Firma kam: Digitale Landkarten und Traffic-Informationen. Diesen Geschäftsbereich möchten die Finnen jetzt ebenfalls abstoßen, um sich künftig voll auf die Kommunikationsnetze zu konzentrieren.

Nokia verkauft das digitale Kartenmaterial aktuell unter der Bezeichnung „Here Maps“ an die Anbieter von Navigationssystemen, Apps und anderen geobasierten Anwendungen. Der einzige weitere relevante Anbieter vergleichbarer Funktionen ist TomTom. Dieser wird aber von vielen Anbietern gemieden, weil damit ein direkter Mitbewerber Zulieferer werden würde. Im mittlerweile stark geschrumpften Navimarkt ist Garmin der wichtigste Kunde von Here Maps. Es existiert derzeit noch ein fester Vertrag bis Ende 2015, der allerdings um vier Jahre verlängert werden kann.

Nokia hat 2007 8 Milliarden Euro für Navteq bezahlt. Aktuell steht die Landkartensparte mit 2 Milliarden Euro in den Büchern von Nokia. Angeblich würde sich Nokia mit einem Betrag zwischen einer und zwei Milliarden Euro zufrieden geben. Als potentielle Käufer wurden bisher der Mitfahrdienst Uber genannt sowie eine Gruppe von deutschen Automobilherstellern und die unvermeidbaren unabhängigen Finanzinvestoren, vulgo Heuschrecken. Auch Garmin prüft bereits, ein Angebot für Here abzugeben, was natürlich für die Weiterentwicklung des Produkts am besten wäre.

Bald unter neuer Flagge? Ein Straßenvermessungsfahrzeug von Here Maps.

Bald unter neuer Flagge? Ein Straßenvermessungsfahrzeug von Here Maps.