Galileo-Satellit aus Umlaufbahn gehoben

Geschrieben am 9 Oktober 2009  von Gerhard Bauer

Bereits im Juli und August dieses Jahres wurde der erste Galileo-Testsatellit Giove-A aus seiner Umlaufbahn um 113 Kilometer weiter von der Erdoberfläche weg verschoben. Das war nötig, um im nächsten Aufbauabschnitt vier weitere Testsatelliten in die Galileo-Umlaufbahnen in etwa 23.222 Kilometern Höhe bringen zu können, ansonsten hätten Zusammenstöße gedroht. In dieser höheren Umlaufbahn soll Giove-A nun über 100 Jahre verbringen können, bevor er wegen seines unumgänglichen (weil physikalisch bedingten) sehr langsamen Absinkens wieder die Galileo-Umlaufbahnen kreuzt.

Als nächster Schritt des Galileo-Projekts müssen vier vollwertige Test-Satelliten in die realen Umlaufbahnen gebracht werden. Diese sollen die gleiche Technik wie die späteren Galileo-Satelliten an Bord haben, und in den vier Flugkörpern soll eben diese Technik unter echten Weltraum-Bedingungen erprobt werden. Die ESA plant den Start dieser vier Satelliten für Ende 2010 oder Anfang 2011. Der offizielle Zeitplan der ESA beinhaltet nach wie vor, dass Galileo 2013 in Betrieb gehen soll, was gegebenenfalls unter Umständen vielleicht ein klein wenig zu optimistisch sein dürfte, zumal bisher noch nicht einmal der Bau dieser Satelliten vergeben ist. Immerhin wurde bereits ein Vertrag unterschrieben für den Start der vier Satelliten: Je zwei sollen mit einer Sojus-ST-B-Rakete von Kourou in Französisch-Guayana starten. Und weil für die Satelliten Teile benötigt werden, die sehr langfristig hergestellt bzw. eingekauft werden müssen, wurden sogar schon Lieferverträge über 17 Millionen Euro an die Astrium GmbH und die Bremer OHB vergeben, damit – wenn es irgendwann einmal losgeht – diese Teile „auf Lager sind“.

Der am 28. Dezember 2005 in Baikonur gestartete Satellit sollte eigentlich nur zwei Jahre arbeiten und die für Galileo reservierten Sendefrequenzen blockieren, damit sie nicht von der ITU (einer weltweiten Behörde, u.a. zur Zuteilung von Funkfrequenzen) anderweitig belegt werden. Mittlerweile hält Giove-A schon vier Jahre, was den Hersteller Surrey Satellite Technology Ltd zur Annahme verleitet, die künftigen Ausschreibungen rund um Galileo mit besserem Erfolg abzuschließen.