Leiche im Wald ist Geocache

Geschrieben am 16 Oktober 2009  von Gerhard Bauer

Die Osnabrücker Zeitung und ihre Heimatausgaben berichten von einem Pilzesammler, der mitten im Wald eine mit einer Metallkette an einem Baumstamm befestigte Person vorgefunden hat. Der Pilzesammler konnte sehen, dass am Ellbogen ein Zettel befestigt war, diesen aber mangels Brille nicht lesen. Nach eigenen Angaben stürmte er aus dem Wald, fuhr so schnell wie möglich nach Hause – und legte sich dann schlafen. Die Polizei verständigte er erst nach seinem Arbeitsende am nächsten Tag.

Eine Streifenwagenbesatzung ließ sich umgehend den Fundort zeigen. Allerdings war die vermeintliche Leiche eine Puppe aus ausgestopften Kleidungsstücken, und der Zettel am Ellenbogen erklärte, dass sie ein zu suchender „Schatz“ sei beim Geocachen. Laut Polizei soll die Puppe immer noch dort sitzen, denn es handle sich nicht um Müll und eine Gefahr für irgend jemanden gehe von der Puppe auch nicht aus.

In Geocacher-Kreisen werden solche durchaus makabren Fundstücke mittlerweile verpönt, auch wenn ein ganz harter Kern sich einen Spaß daraus macht, beispielsweise Teile von Schaufensterpuppen so zu bemalen, dass sie wie abgetrennte Körperteile aussehen, und als Cache zu verwenden.

Zu einem weiteren Zwischenfall ist es in Mainz gekommen. Die Mainzer Polizei teilt in einer Presseerklärung mit: „An einer bestimmten Stelle am Rheinufer irgendwo in Mainz bemerkte eine Zeugin am 28.09.2009, 15:10 Uhr, verdächtige Gestalten, die eine Dose aus einem Versteck holten und diese nach einer Weile wieder in ihrem Versteck deponierten. Die Mitteilerin vermutete, die beiden Männer könnten dort Haschisch verstecken, und informierte die Polizei. Diese entsandte zwei Fachkräfte vom Rauschgiftkommissariat, die sich die Stelle genau beschreiben ließen. Nach der erfolgreichen Suche bargen sie aber statt des erwarteten Rauschgifts eine Schatzbox mit kleinen Gegenständen, die für Teilnehmer von Geocaching gedacht sind. Der „Schatz“ wurde wieder an seinen Platz gelegt.“ Kriminaldirektion Mainz, …

Die Bundespolizei und einige Polizeidirektionen appellieren mittlerweile an Geocacher, weder öffentliche Plätze noch auffällige „Behälter“ für Caches zu verwenden.

Zumindest in den USA werden mittlerweile – soweit sie herausgefunden werden können – die Sucher oder Verstecker eines Geocaches für Einsatzkosten herangezogen. Deswegen gelten dort mittlerweile die folgenden Regeln:

  • Keine Caches auf Gebieten, deren Verwaltungen Geocaches verbieten, also beispielsweise in Nationalparks
  • Keine vergrabenen Caches, die mit einer Schaufel oder anderen Werkzeugen geborgen werden müssen
  • Keine Caches, die öffentliches oder privates Eigentum verwenden
  • Keine Caches an Orten, die unter zusätzlichem Verkehr leiden würden, also keinesfalls an archäologischen Fundorten oder in Friedhöfen
  • Keine Caches näher als 150 US-Fuß (46 Meter) an Eisenbahnstrecken
  • Keine Caches in oder in der Nähe von militärischen Einrichtungen
  • Keine Caches an Orten, die potentielles Ziel von Attentaten sein könnten: Unter anderem Autobahnen, Dämme, öffentliche Gebäude, Schulen oder Flughäfen